14.05.2011 / Geschichte / Seite 15

Kurie und Kapital

Die Enzyklika »Rerum novarum« Leo XIII. begründete vor 120 Jahren ein reaktionäres Bündnis, das bis heute hält

Gerhard Feldbauer
Als die bürgerliche Revolution in Italien 1870 die feudale und weltliche Herrschaft des Papstes stürzte, protestierte Pius IX. auf das schärfste und schleuderte gegen alle am »Raub des Patrimonium Petri« Beteiligten den Kirchenbann (Exkommunikation). Zwar nahm sein Nachfolger Leo XIII., der sein Pontifikat am 20. Februar 1878 antrat, die Verdammung nicht zurück, vollzog aber auf der Stelle einen Frontwechsel. Mit dem Gespür, das aus dem Jahrtausende alten Haß gegen alles Fortschrittliche erwuchs, hatte der Klerus die Gefahr erkannt, die 1876 durch die Gründung der sozialistischen Arbeiterföderation in Italien entstanden war, und reagierte. Der Hauptfeind waren nunmehr die marxistische Arbeiterbewegung und alle, die sich an ihre Seite stellten oder auch nur mit ihr sympathisierten, darunter selbst Reformer in den eigenen Reihen. Die Kurie bezog nunmehr offen Position für das kapitalistische Ausbeutungssystem als von Gott gewollter Ordnung. Das hieß nicht, daß der Feudalismus aufgegebe...

Artikel-Länge: 10398 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text- oder HTML-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe