23.10.2010 / Ausland / Seite 6

Tempel der Furcht und Rache

Politisches Unrecht und soziale Ungleichkeit sind Voraussetzungen für Verhängung der Todesstrafe

Mumia Abu-Jamal
Im Juli 1976 wurde in den USA die Todesstrafe wiedereingeführt. Als Voraussetzung, ein höheres Amt zu erhalten, galt seitdem für jeden Politiker, öffentlich für diese einzutreten. Dabei war es sehr populär, einzelne Fälle – und zwar immer die grausigsten – herauszugreifen, um Verallgemeinerungen über die Gefangenen in den Todestrakten vorzunehmen und die gegen sie verhängten Urteile zu rechtfertigen.

Diese Pauschalisierungen haben wenig mit der gesellschaftlichen und sozialen Wirklichkeit der Inhaftierten und ihrer Taten zu tun. Die Politiker reden über die in den Todestrakten gehaltenen Menschen, als seien sie die Schlimmsten der Schlimmen, wahre Monster. Niemand spricht indes davon, daß Tausende Männer, Frauen und Jugendliche geringere Strafen für ähnliche oder sogar identische Straftaten erhalten, für die andere ihr Leben verlieren sollen. Der Fall der erst kürzlich trotz weltweiter Proteste in Virginia hingerichteten Teresa Lewis war ein ...

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