29.01.2010 / Thema / Seite 10

Nichts als starke Worte

Analyse. Mit Erdogans Wutausbruch in Davos begann vor einem Jahr eine Krise der israelisch-türkischen Beziehungen. Die militärische Kooperation zwischen beiden Staaten dauert dennoch unvermindert an

Nick Brauns
Es war eine Erniedrigung nach Drehbuch. Erst mußte der türkische Botschafter Oguz Celikkol minutenlang vor der Bürotür des israelischen Vizeaußenministers Dany Ayalon warten. Dann schüttelten die mit ernster Miene dreinschauenden israelischen Beamten ihm nicht einmal die Hand. Auf dem Tisch stand nur ein israelischer Wimpel, der türkische fehlte. »Achten Sie bitte darauf, daß der Botschafter auf einem niedrigen Sofa sitzt, während wir auf ihn von hohen Stühlen herabschauen«, wies Ayalon auf Hebräisch die anwesenden Fotografen an. Ayalon hatte den Botschafter einbestellt, um einen »Tadel« für die von einem türkischen Privatsender ausgestrahlte und von israelischer Seite als »antisemitisch« eingeschätzte Agentenserie »Tal der Wölfe« auszusprechen. In der beanstandeten Folge kämpfte der Held Polat Alemdar gegen Mossad-Agenten als Entführer türkischer Kinder.

Der diplomatische Affront am 11. Januar 2010 war ein Höhepunkt in den wachsenden Spannun...

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