23.10.2009 / Feuilleton / Seite 13

Schröder & Kalender. Pressekonferenz mit Kumpeln

Über den Bedeutungswandel der Redewendung »Laß jucken, Kumpel!«

Barbara Kalender/Jörg Schröder
Gleich nach Gründung des März Verlags schickte mir ein Bergmann aus dem Ruhrgebiet ein handgeschriebenes Manuskript in Schönschreibschrift mit sehr großen Lettern. Der Text war altfränkisch gedröselt, enthielt viele bombastische Genitive, die nobilitierende Protokollsprache des Polizeiwachtmeisters. Denn er war in seiner Jugend bei der Polizei gewesen und hatte den Titel »Berliner Polizeimeister im Mittelgewicht« erworben. Nun schrieb er, daß er gern Schriftsteller werden möchte. Ich antwortete ihm freundlich: »Lassen Sie besser diese gestelzte Sprache. Schreiben Sie so, wie die Leute reden. Die Leser wollen etwas aus dem Leben erfahren und nicht, ob Sie die Mittlere Reife geschafft haben.« Im Herbst 1969 erhielt ich dann einen dicken Aktenordner, Hans Henning Claer teilte mit, daß er meine Anweisungen befolgt habe, jetzt stehe alles so auf dem Papier, wie es sich im Leben zuträgt. Sein Manuskript trug den Titel »Glück auf, Kumpel!«, und wegen der ziemlich langweiligen »Literatur der...

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