26.01.2009 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Heilsamer Schock

Die Lieferengpässe infolge des russisch-ukrainischen »Gaskriegs« haben in Polen eine hektische Debatte über künftige Energiepolitik ausgelöst

Tomasz Konicz
Eigentlich kam Polen bei dem kürzlich beigelegten, wochenlang zwischen Rußland und der Ukraine tobenden »Gaskrieg« relativ glimpflich davon. Als in vielen süd- und osteuropäischen Ländern die Gasversorgung zusammenbrach, während Kiew und Moskau sich um Preise und unbezahlte Rechnungen stritten, konnten zwischen Oder und Bug keine größeren Versorgungsengpässe festgestellt werden. Dies liegt vor allem an der Jamal-Pipeline, die das russische Erdgas über Belarus nach Polen befördert. Nur 25 Prozent des für Polen bestimmten russischen Erdgas wird über ukrainisches Territorium befördert.

Trotzdem sitzt der Schock tief in Warschau, da dieser jüngste energiepolitische Konflikt dem Land – wie auch weiten Teilen der EU – die enorme Abhängigkeit von russischen Energieträgern vor Augen geführt hat. Von den 14 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die Polen jährlich verbraucht, werden 6,2 Milliarden direkt von Gasprom geliefert, weitere 2,3 Milliarden Kubikmeter zentralasiat...

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