13.06.2008 / Feuilleton / Seite 13

Sonnige Vorhölle

Doppelt unfrei: Die Arbeiter der bengalischen Abwrack-Industrie sind die Helden eines neuen Dokumentarfilms

Jana Frielinghaus
Der doppelt freie Lohnarbeiter wurde von Marx so genannt, weil er nach dem großen Bauernlegen im England des 17. Jahrhunderts frei von jedem Landbesitz und dem sonstiger Produktionsmittel war – und frei, sich unter Tausenden Ausbeutern einen zu wählen. Die Bauern im Norden von Bangladesch leben heute im tiefsten Manchester-Kapitalismus – aber ohne die dazugehörige »Freiheit«. Von ihrem Land können sie infolge von Wetterunbilden nicht mehr leben, aber es ist das einzige, was sie überhaupt haben. So ziehen sie jedes Jahr für mehrere Monate in den industrialisierten Süden, um die alleinige Zuverdienstmöglichkeit zu nutzen, die ihnen offensteht: Für einen Hungerlohn zerlegen sie unter der heißen Sonne am Strand von Chittagong schrottreife Tanker in transportable Platten. Deshalb sagen die Leute »Eisenfresser« zu ihnen. Shaheen Dill-Riaz hat seinen neuen Film nach ihnen benannt.

Es ist eine bildgewaltige Parabel auf den globalisierten Kapitalismus geworden. Dil...

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