15.05.2008 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Absage an Gentechnik

Artenvielfalt erhalten, Natur schützen, Zukunft sichern – die Konferenz »Planet Diversity« fordert Aufgabe genetischer Manipulierung von Saaatgut und Nutztieren

Mona Grosche
»Der rapide Verlust der Bio­diversität und der Klimawandel sind die größten ökologischen Herausforderungen in der Geschichte der Menschheit. Die Auswirkungen dieser eng miteinander verbundenen Phänomene mögen uns als Naturkatastrophen erscheinen, die unsere Zivilisation gefährden. Sie sind zugleich das Ergebnis der gegenwärtig vorherrschenden Zivilisation.« (Aus dem Konferenzprogramm von »Planet Diversity«)

Seit Dienstag läuft in Bonn die Konferenz »Planet Diversity«. Die Organisatoren, zu denen u.a. Greenpeace und BUND gehören, machen vor allem gegen den weltweiten Einsatz von Gentechnik mobil: Benedikt Härlin, Mitorganisator der Veranstaltung von der Zukunftsstiftung bäuerliche Landwirtschaft nennt das den »Gipfel von Privatisierung, Industrialisierung und Entfremdung«. Dem setzten die Teilnehmer der Konferenz die »Vielfalt als größte Innovationskraft der Natur« entgegen.

Repräsentiert wird die Zusammenkunft durch ein buntes Spektrum an Basisinitiativen, Wissenschaftlern und Verbänden aus allen Teilen der Welt, die sich über ihre Erfahrungen, Strategien und Projekte austauschen. Bereits im Vorfeld war abzusehen, das im Bonn dieser Tage »wohl die größte Dichte an alternativen Nobelpreisträgern« herrschen werde, die es je gab, wie Härlin angemerkt hatte.

»Planet Diversity« wird auch als Gegenkonferenz und Alternative zu den sogenannten MOP-4-Verhandlungen verstanden, die zeitgleich in Bonn stattfinden, und zur UN-organisierten 9. Welt-Naturschutzkonferenz, die kommende Woche ebenfalls in der früheren Bundeshauptstadt beginnen wird. Auf dem MOP-4-Treffen (MOP für Meeting of Parties) versuchen Vertreter von 143 UN-Mitgliedsstaaten, die Problematik des grenzüberschreitenden Handels mit gentechnisch manipulierten Organismen (GMO) rechtsverbindlich zu regeln. Dies war mit dem »Cartagena-Protokoll« beschlossen worden, einem Zusatzprotokoll zur UN-Konvention über biologische Vielfalt (CBD). Die Cartagena-Vereinbarung wurde zwar bis 2002 in Rekordzeit ratifiziert – eine völkerrechtlich verbindliche Regelung des Handels und Transports von GMO ist aber bis dato nicht gefunden worden.

»Vor allem geht es um die Frage der Haftung, wenn bei der Nutzung Probleme entstehen«, so Günter Mitlacher vom Forum Umwelt und Entwicklung. Gentechnisch manipulierte Pflanzen werden weltweit auf 81 Millionen Hektar landwirtschaftlich angebaut. Kontaminationen sind dabei an der Tagesordnung. Allein für das Jahr 2007 sind 39 Vorfälle in 23 Ländern bekannt. Sie betreffen vor allem Reis und Mais, aber auch Papaya, Raps und Fisch. Das berichtete Mitlacher auf einer Tagung Ende März in Bonn, bei der sich deutsche Nichtregierungsorganisationen (NRO) auf die MOP-4-Verhandlungen vorbereitet hatten.

NRO-Vertreter und Wissenschaftler sind sich darin einig, daß die Folgen der Gentechnik nach wie vor nicht absehbar sind. Und auch die offene Frage der Verantwortlichkeit bei ebendiesen Folgen bereitet ihnen Sorgen. Deshalb fordern sie dringend ein sogenanntes Haftungsregime, also eine Art Pflichtver­sicherung für Schäden, die durch GMO verursacht werden. »Kein Opfer soll ohne Entschädigung bleiben«, forderte Christine von Weizsäcker, langjährige Beobachterin der Verhandlungen zum Cartagena-Protokoll. Seit dem letzten UN-Arbeitstreffen im März konnte sie zwar einige Fortschritte erkennen und zeigte sich erleichtert, daß das Angebot der Gentechnik-Multis (u.a. Bayer und BASF) zur Regelung lediglich auf freiwilliger Basis vom Tisch ist. Aber auch sie stellt fest, daß grundsätzliche Fragen – z.B. was überhaupt als Schadensfall anzusehen ist – nach wie vor ungeklärt sind. Die Hauptexportstaaten von GMO wie Argentinien, Kanada und Brasilien lehnen das Cartagena-Protokoll nach wie vor ab, und auch die EU will kein verbindliches Haftungsregime.

biodiv-network.deplanet-diversity.org

Seit Dienstag läuft in Bonn die Konferenz »Planet Diversity«. Die Organisatoren, zu denen u.a. Greenpeace und BUND gehören, machen vor allem gegen den weltweiten Einsatz von Gentechnik mobil: Benedikt Härlin, Mitorganisator der Veranstaltung von der Zukunftsstiftung bäuerliche Landwirtschaft nennt das den »Gipfel von Privatisierung, Industrialisierung und Entfremdung«. Dem setzten die Teilnehmer der Konferenz die »Vielfalt als größte Innovationskraft der Natur« entgegen.

Repräsentiert wird die Zusammenkunft durch ein buntes Spektrum an Basisinitiativen, Wissenschaftlern und Verbänden aus allen Teilen der Welt, die sich über ihre Erfahrungen, Strategien und Projekte austauschen. Bereits im Vorfeld war abzusehen, das im Bonn dieser Tage »wohl die größte Dichte an alternativen Nobelpreisträgern« herrschen werde, die es je gab, wie Härlin angemerkt hatte.

»Planet Diversity« wird auch als Gegenkonferenz und Alternative zu den sogenannten MOP-4-Verhandlungen verstanden, die zeitgleich in Bonn stattfinden, und zur UN-organisierten 9. Welt-Naturschutzkonferenz, die kommende Woche ebenfalls in der früheren Bundeshauptstadt beginnen wird. Auf dem MOP-4-Treffen (MOP für Meeting of Parties) versuchen Vertreter von 143 UN-Mitgliedsstaaten, die Problematik des grenzüberschreitenden Handels mit gentechnisch manipulierten Organismen (GMO) rechtsverbindlich zu regeln. Dies war mit dem »Cartagena-Protokoll« beschlossen worden, einem Zusatzprotokoll zur UN-Konvention über biologische Vielfalt (CBD). Die Cartagena-Vereinbarung wurde zwar bis 2002 in Rekordzeit ratifiziert – eine völkerrechtlich verbindliche Regelung des Handels und Transports von GMO ist aber bis dato nicht gefunden worden.

»Vor allem geht es um die Frage der Haftung, wenn bei der Nutzung Probleme entstehen«, so Günter Mitlacher vom Forum Umwelt und Entwicklung. Gentechnisch manipulierte Pflanzen werden weltweit auf 81 Millionen Hektar landwirtschaftlich angebaut. Kontaminationen sind dabei an der Tagesordnung. Allein für das Jahr 2007 sind 39 Vorfälle in 23 Ländern bekannt. Sie betreffen vor allem Reis und Mais, aber auch Papaya, Raps und Fisch. Das berichtete Mitlacher auf einer Tagung Ende März in Bonn, bei der sich deutsche Nichtregierungsorganisationen (NRO) auf die MOP-4-Verhandlungen vorbereitet hatten.

NRO-Vertreter und Wissenschaftler sind sich darin einig, daß die Folgen der Gentechnik nach wie vor nicht absehbar sind. Und auch die offene Frage der Verantwortlichkeit bei ebendiesen Folgen bereitet ihnen Sorgen. Deshalb fordern sie dringend ein sogenanntes Haftungsregime, also eine Art Pflichtver­sicherung für Schäden, die durch GMO verursacht werden. »Kein Opfer soll ohne Entschädigung bleiben«, forderte Christine von Weizsäcker, langjährige Beobachterin der Verhandlungen zum Cartagena-Protokoll. Seit dem letzten UN-Arbeitstreffen im März konnte sie zwar einige Fortschritte erkennen und zeigte sich erleichtert, daß das Angebot der Gentechnik-Multis (u.a. Bayer und BASF) zur Regelung lediglich auf freiwilliger Basis vom Tisch ist. Aber auch sie stellt fest, daß grundsätzliche Fragen – z.B. was überhaupt als Schadensfall anzusehen ist – nach wie vor ungeklärt sind. Die Hauptexportstaaten von GMO wie Argentinien, Kanada und Brasilien lehnen das Cartagena-Protokoll nach wie vor ab, und auch die EU will kein verbindliches Haftungsregime.

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