06.05.2008 / Titel / Seite 1

Wahlbetrug und Gewalt

Benjamin Beutler, Santa Cruz de la Sierra
Wider besseres Wissen feierte Boliviens Opposi­tion am Sonntag abend das von ihr inszenierte »Referendum« als Sieg. Nach ersten Auszählungen hatten zwischen 80 und 85 Prozent der überwiegend spanischstämmigen Stimmberechtigten in dem an Bodenschätzen reichen, von Grundgrundbesitzern beherrschten Departement Santa Cruz für »Autonomie-Statute« gestimmt. Sie befürworteten mit ihrem Votum, daß entscheidende Kompetenzen wie Gesetzgebung, Steuerhoheit, Gesundheit und Bildung sowie Kontrolle über Land und Bodenschätze der sozialistisch orientierten Zentralregierung entzogen werden. Zugleich provozierten sie eine Spaltung des Landes. »Wir haben der Welt gezeigt, daß wir autonom sind«, triumphierte Branko Marinkovich, Vorsitzender des »Bürgerkomitees Pro Santa Cruz« und Vertreter der politischen und wirtschaftlichen Elite in der reichen ostbolivianischen Provinz.

Als »verfassungswidrig« hatte Evo Morales ebenso wie die Armeeführung das »Referendum« bereits in desse...

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