08.11.2007 / Ausland / Seite 8

»In Gaza fehlt es an allem«

Folgen israelischer Blockade: Lebensmittel und Medikamente sind knapp, Beschäftigte bekommen keine Gehälter. Gespräch mit Maged Abu Ramadan

Andrea Bistrich
Der Arzt Dr. Maged Abu Ramadan ist Bürgermeister von Gaza-Stadt
Wie würden Sie als Bürgermeister die momentane Situation in Gaza beschreiben, insbesondere nach den Sanktionen Israels, die Öl- und andere Warenlieferungen betreffen?

Die Lebensbedingungen sind katastrophal. Den Menschen in Gaza fehlt es an allem. Besonders knapp sind Nahrungsmittel. Allein der Preis für Mehl und Brot ist um das Dreifache gestiegen. Zahlreiche Alltagsprodukte sind auf den Märkten gar nicht mehr erhältlich. Bei vielen Familien sind die Lebensmittelvorräte zu Ende. Auch Medikamente werden knapper.

Das Baugewerbe ist nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Das treibt die Arbeitslosenquote enorm in die Höhe, denn es war bisher der zweite große Arbeitgeber nach der Regierung.

Viele, die für ein paar Tage nach Gaza gekommen sind, um ihre Familien und Bekannten zu besuchen, können nun schon seit Wochen nicht mehr zurück nach Hause. Die Übergänge sind geschlossen. Manche haben dadurch sogar ihre Arbeit verloren. Studenten können ihre Universitäten nicht mehr erreichen und verpassen wichtige Vorlesungen und Seminare. Wohin man auch blickt: Gaza ist ein einziges Desaster. Jeder hier ist davon betroffen.

Wer ist schuld an dieser Situation?

Die Besatzung. Wenn es keine Besatzung gäbe, hätte auch niemand einen Grund, Raketen in israelische Gebiete zu feuern. Wir alle sollten uns das klarmachen: Die Besatzung muß endlich beendet werden; die Palästinenser brauchen einen eigenen Staat, der Seite an Seite mit Israel existiert und wirtschaftliche, kulturelle und andere Beziehungen pflegt. Als ausgebildeter Arzt kann ich Ihnen versichern: Es reicht nicht aus, einem Patienten Aspirin oder Paracetamol zu geben. Um wirklich zu heilen, muß man die Ursachen behandeln, nicht die Symptome.

Israel hat wiederholt versichert, trotz der Sanktionen die Nahrungsmittel- und Medikamentenlieferungen für die Bevölkerung in Gaza fortzuführen. Was wis...

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