20.10.2007 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Die Medien kommen ihrer Verpflichtung nicht nach«

Gespräch mit Florian Opitz. Über den Dokumentarfilm »Der große Ausverkauf«, Widerstand gegen Privatisierungen und das Versteckspiel von IWF und Weltbank

Stefan Huth
Florian Opitz (geb. 1973) ist als Dokumentarfilmregisseur für verschiedene Fernsehsender tätig. Filme u. a.: »Tibet – Mythos und Wirklichkeit« (Arte, 2001), »Die Araber – Geschichte eines Feindbildes« (WDR/ARD, 2003). Mit »Der große Ausverkauf« gab Opitz in diesem Jahr sein Kinodebüt.

Am 17. Mai startete »Der große Ausverkauf« in deutschen Kinos. In dem Film werden vier Protagonisten aus vier Kontinenten porträtiert – sie leben in Bolivien, Südafrika, auf den Philippinen und in England –, die allesamt mit den drastischen Folgen von Privatisierungen öffentlichen Eigentums konfrontiert sind und sich auf unterschiedliche Weise dagegen zur Wehr setzen. Der Film ist voraussichtlich ab Anfang kommenden Jahres als DVD erhältlich. Weitere Informationen unter dergroßeausverkauf.de.

Im Rahmen einer Recherche zu seiner nächsten Dokumentation, die die Aktivitäten ausländischer Erdölkonzerne im Nigerdelta thematisieren soll, wurde Florian Opitz im September zusammen mit drei Begleitern in der nigerianischen Stadt Warri wegen »Verschwörung« und »Spionage« verhaftet. Anfang Oktober kam er gegen eine Kaution frei, darf das Land aber bis zu seiner Gerichtsverhandlung nicht verlassen. Im schlimmsten Fall drohen ihm bis zu 14 Jahre Haft.




In der um 1934/35 entstandenen Schrift »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit« spricht Brecht u. a. von der »List«, die nötig sei, wenn man die Lüge und die Unwissenheit bekämpfen will. Dort steht auch der Satz: »Vieles, was in Deutschland über Deutschland nicht gesagt werden darf, darf über Österreich gesagt werden.« Sie porträtieren in Ihrem Film »Der große Ausverkauf« vier Menschen aus vier Kontinenten, die auf sehr unterschiedliche Weise von der Privatisierung öffentlicher Dienste betroffen sind –keiner von ihnen lebt in Deutschland. Sind Sie einer »List« im Brechtschen Sinne gefolgt?

Die Wahl auf die geschilderten Fälle fiel nat...



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