12.12.2006 / Thema / Seite 10

Totgesagte leben länger

Die Legende vom Ende der Neocons. US-amerikanische Neokonservative rücken von der Politik des US-Präsidenten George W. Bush ab – um ihn von rechts zu kritisieren (Teil I)

Knut Mellenthin
Am 30. Oktober, eine Woche vor den Kongreßwahlen in den USA, wartete Spiegel online mit einer frohen Botschaft auf: »Das Ende der Neocons« – so die Artikelüberschrift – stehe greifbar nahe bevor. »Ein Verlierer der US-Kongreßwahl steht jetzt schon fest, egal wer am kommenden Dienstag gewinnt: die Neokonservativen. Deren Ideologie von einer militärisch demokratisierten Welt unter amerikanischer Führung ist im Irak gescheitert.«

An diesem Satz sind die wichtigsten Punkte falsch: Die Neokonservativen stehen nicht für eine Ideologie, sondern für eine politische Strategie und für konkretes Handeln. Um Demokratisierung der Welt geht es dabei ganz und gar nicht. Sondern langfristig ist das Ziel, durch eine hybride Rüstung den USA die Hegemonie über die Welt für alle Zeiten zu sichern, wobei letztlich Rußland und mehr noch China die Hauptfeinde der Zukunft sind. Kurz- bis mittelfristig geht es darum, unter dem betrügerischen Titel einer »Neuordnung« de...

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