17.08.2006 / Ansichten / Seite 8

Nicht neutral. Gastkommentar

Peter Strutynski
Die Diskussion, die in der Regierungskoalition und zwischen den Oppositionsparteien FDP und Grüne über einen Bundeswehreinsatz im Nahen Osten geführt wird, geht an den wirklichen Problemen vorbei – und ist entlarvend zugleich. Das häufig vorgebrachte Argument, deutsche Soldaten dürften unter keinen Umständen in eine Lage gebracht werden, daß sie eventuell auf israelische Soldaten schießen müßten, ist aus mehreren Gründen aufschlußreich: Erstens ist es ein unfreiwilliges Eingeständnis der mangelnden Neutralität Deutschlands im Nahostkonflikt. Solange Berlin einseitig die Position Israels und damit auch der USA einnimmt, kann es weder Vermittler oder »Makler« noch neutraler Akteur in einer multinationalen Blauhelmtruppe an einem so neuralgischen Punkt sein. Niemand käme z.B. auf die Idee, US-Truppen für einen solchen Job anzufordern.

Zweitens versteckt sich hinter dem Argument ein latenter Rassismus. Im Umkehrschluß heißt es doch nichts anderes a...

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