26.04.2003 / Wochenendbeilage / Seite 3 (Beilage)

Amoralische Friedenspropaganda

Der schwarze Kanal: Journalisten-Kontroverse um kritischen Journalismus

Werner Pirker

Letztlich habe der Zweck dann doch noch die Mittel geheiligt. Das ist die Quintessenz der Nachkriegsbetrachtung, wie sie von der deutschen Medieneinfalt angestellt wird. Der Zweck, wenn auch erst nachträglich als solcher erkannt, habe in der Entfernung einer »bestialischen Diktatur« bestanden. Über den Einsatz kriegerischer, völkerrechtlich illegitimer Mittel ließe sich hingegen streiten. Daß der Vorwand zum »präventiven« Angriffskrieg, das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen und die Bereitschaft der »Bestie von Bagdad«, sie einzusetzen, aus der Luft gegriffen war, fällt gnädigem Vergessen anheim.

Das Einschwenken auf den amerikanischen Kriegkurs nach dem Krieg veranlaßte Peter Voß, Intendant des für die Irak-Berichterstattung im Ersten zuständigen Südwestrundfunk (SWR), die medialen Kriegsskeptiker öffentlich abzumahnen. In einem Interview für das Intranet des Senders warf er den ARD-Journalisten indirekt Vernachlässigung der Objektivitätspfl...

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