15.03.2018 / Feuilleton / Seite 7 (Beilage)

Eine wiederkehrende Drohung

Jovana Reisingers Debüt »Still halten«, ein hervorragender Antiheimatroman

Ludwig Lugmeier

»Still halten«, der Debütroman der Filmemacherin Jovana Reisinger, löst einen starken Bewegungsdrang aus. Ich musste schon nach wenigen Seiten raus aus der Wohnung. In der Folge las ich das Buch in der S-Bahn. Spandau–Grünau, ­Grünau– Spandau, quer durch Berlin, ich weiß nicht, wie oft. Dass mir das Stillhalten schwerfiel, dafür sorgte die Heldin, die, krankgeschrieben vom »Doktor«, eben stillhalten soll, ein ganzes Jahr lang, stillhalten und zusehen, dass sich ihr »Innenfleisch« erholt. Und genau damit tritt eine Rastlosigkeit und Unruhe ein, sowohl bei der namenlosen Protagonistin als auch beim Leser. Während ich durch Berlin fuhr, mit dem schön aufgemachten Buch auf dem Schoß, setzte ein aufgestoßenes Fenster, das der Namenlosen mit voller Wucht ins Gesicht schlug, den Prozess ihrer Zerstörung in Gang.

Die Handlung des Werkes könnte von Sophokles oder Euripides stammen. Der Vater der Heldin erhängt sich. Die depressive Mutter weist der Tochter die Schu...

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