Aufwiegelung und Verrat
Feministischer Widerstand gegen Krieg, Aufrüstung und systematische Gewalt im Alltag
Die tatsächlichen Kosten von Krieg und Militarisierung haben Frauen zu tragen: Dagegen gilt es, Widerstand zu organisieren und das patriarchale System, das dem zugrunde liegt, gleich mitzuentsorgen. Die Propagandamaschine ist jedoch gut geölt und sorgt für zusätzliche Wirren in ohnehin wirren Zeiten. Sinnentleerte Paradigmen wie eine »feministische« Außenpolitik eines imperialen Staates müssen durchschaut und vorgeführt werden – ziehen dabei aber Kraft ab vom Kampf ums Wesentliche. Etwa, dass Weiblichkeit im Alltag ganz ohne offiziell ausgerufenen Krieg dauerhaft von (männlicher) Gewalt bedroht ist, bis hin zu täglichen Morden an Frauen. Und »dem schwachen Geschlecht« soll Glauben gemacht werden, dass Töten in den Armeen kapitalistischer Staaten irgend etwas mit Feminismus zu tun hat – damit zukünftig auch Frauen nicht nur als »Kollateralschäden« imperialistischer Muskelspiele, sondern als »tapfere Kriegsheldinnen« fallen können.
Gefallen ist auch die aus Duisburg stammende Internationalistin Ivana Hoffmann, allerdings nicht für die Profite der Herrschenden, sondern im kurdischen Befreiungskampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Sofia Willer lässt sie in ihrem Text »Widerstand hat einen Namen« in den Worten ihrer Weggefährten aufleben und erinnert daran, dass es vor allem den Kämpferinnen der kurdischen Volksbefreiungseinheiten zu verdanken ist, dass die Dschihadisten in Nordostsyrien zurückgeschlagen werden konnten. Einen anderen Befreiungskampf führte Schadia Abu Ghasala im von Israel besetzten Palästina. Als eine der ersten Kämpferinnen »Mit der Waffe in der Hand« wehrte sie sich nicht nur gegen Besatzung und Gewalt, sondern organisierte wie Tausende andere Palästinenserinnen in den Folgejahrzehnten Widerstand und politische Bewusstseinsbildung. Letzterem widmet sich auch das Instituto de Filosofía in Havanna. Carmela Negrete war vor Ort, nahm an Workshops für politisch aktive Frauen teil und berichtet in »Theorie und Praxis« davon, wie Marxismus und Philosophie vermittelt über das Institut Eingang in den feministischen Kampf auf Kuba finden.
Ohne Waffe, aber ebenso beharrlich, kämpfen die Überlebenden der systematisierten Sexsklaverei durch das kaiserlich-japanische Militär und seinen Kollaborateuren während des Asien-Pazifik-Krieges um Recht und Anerkennung als Betroffene. Jana Schäfer und ihre AG »Trostfrauen« schreiben in »Unersetzbare Gemeinschaft« über diesen jahrzehntelangen Spießrutenlauf, dem sich letztlich auch nur wenige aussetzten und vorzogen, zu schweigen. »Zum Schweigen verdammt« sind auch die Überlebenden des KZ Uckermark für junge Frauen und Mädchen, wie Yaro Allisat schreibt. Sie wurden zwar befreit, das Nazistigma »sexuell verwahrlost« oder »asozial« zu sein, blieb jedoch allzuoft an ihnen hängen.
Schließlich machen Alexandra, Ria und Lore von der FrauenLesbengruppe Frankfurt am Main im Gespräch noch einmal deutlich: »Es gibt keinen Frieden im Patriarchat.« Die langjährig feministisch-antimilitaristisch Organisierten spannen den Bogen vom Widerstand gegen den NATO-Doppelbeschluss der 80er bis hin zu heutigen Forderungen der Kriegstüchtigwerdung und den Konsequenzen dessen vor allem für das Leben von Frauen und Queers. Sie folgen ganz der ägptisch-US-amerikanischen Feministin Mona Eltahawy, die fordert, dem Patriarchat den Krieg zu erklären, anstatt Kriege zwischen Patriarchaten zu unterstützen. In diesem Sinne: Frauen, Leben, Freiheit – Jin, Jiyan, Azadî!
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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