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Aus: Krieg und Frieden, Beilage der jW vom 26.08.2020
Krieg und Frieden

Die Kriegsmaschinerie angreifen

75 Jahre nach vernichtenden US-Atombombenabwürfen über Japan: Welt so aufgerüstet wie lange nicht mehr. Gefahr der nuklearen Vernichtung steigt
Von Ina Sembdner
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Hiroshima im September nach dem US-Atombombenabwurf vom 6. August 1945, dokumentiert von den Verursachern

Im Jahr 2019 haben Staaten 1.917 Milliarden US-Dollar ausgegeben, um sich und andere mit einem Maximum aufzurüsten, das es laut dem Friedensforschungsinstitut SIPRI seit 1988 nicht mehr gegeben hat. Heruntergerechnet, haben jeder und jede von uns die Militarisierung der Welt im vergangenen Jahr mit 249 US-Dollar finanziert. Spitzenreiter sind dabei wie eh und je die Vereinigten Staaten. Bei der Steigerung ihrer Rüstungsausgaben wurden sie nur von Indien, das ebenfalls unter den Hindu-Nationalisten nach imperialer Geltung strebt, übertroffen.

Angesichts der seit längerem unverblümt offensiven US-Einkreisungspolitik gegenüber Russland und China, der freiwillig oder unfreiwillig geknechtete Verbündete folgen, sind Moskau und Beijing ebenfalls gezwungen, ihre Bestände für den Verteidigungsfall nachzurüsten. Jörg Kronauer zeigt auf, welch gefährliches Spiel Washington damit betreibt. Mühsam errungene Rüstungskontrollabkommen werden in den Wind geschossen und die lange Zeit überwunden geglaubte reale Gefahr eines Atomkriegs heraufbeschworen. Schon Bertolt Brecht, an dessen Auseinandersetzung mit der Atombombe Arnold Schölzel in seinem Beitrag erinnert, konstatierte: »Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz.«

Dieses Urteil muss sich wohl auch Japan gefallen lassen, das, wie Igor Kusar berichtet, 75 Jahre nach den vernichtenden US-Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki auf dem besten Weg ist, seine Friedensverfassung über Bord zu werfen, um sich Washington als Kriegsvasall anzudienen. Auch wenn dort wie hier die einstmals mächtige Friedensbewegung kaum mehr existiert, gibt es Versuche, die Kriegsmaschinerie direkt anzugreifen. Claudia Wangerin zeigt anhand der Initiative »Rheinmetall entwaffnen« auf, wie aus dem »Herzen der Bestie« heraus gegen den exportierten Krieg Stellung bezogen werden kann. Blockaden und ziviler Ungehorsam als Mittel gegen eine Rüstungsindustrie, die im Auftrag oder unbehelligt von der Regierung Tod und Chaos in den Krisenregionen dieser Welt verursacht.

Angesichts der Klimakrise, die unaufgehalten voranschreitet, ist das nicht nur ein dem Frieden und gerechter Entwicklung entgegenstehendes Unterfangen. Wie Bernd Müller in seinem Beitrag skizziert, wird die enge Korrelation von Krieg, Militär und Umwelt jedoch nur von wenigen Organisationen angeprangert. Der Weltklimarat hält es nicht für nötig, darauf hinzuweisen, dass allein der von den USA 2001 begonnene »Krieg gegen den Terror« schon 1,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid verursacht hat – und damit mehr als Deutschland, der EU-weit größte CO2-Emittent, insgesamt jährlich ausstößt.

Die 1947 aktivierte »Doomsday Clock« steht nicht nur wegen des drohenden Zusammenbruchs des Klimas auf nur noch 100 Sekunden vor Mitternacht. Dafür ursächlich ist auch die bewusst heruntergetriebene Schwelle für den Eintritt in den Atomkrieg. Dies wäre dann jener, der »die Menschheit in ihrer Gänze verschlingen« wird, wie Brecht es formulierte. Es gilt also mehr denn je, dass jenen, die »in aller Öffentlichkeit« diese Kriege vorbereiten, »die Hände zerschlagen werden«.

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