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Paris-Syndrom

Für viele Japaner ist eine Reise nach Paris gleichermaßen Lebens- wie Alptraum. Keine andere Besuchergruppe leidet so sehr unter der harten Realität in Frankreichs Hauptstadt. Der als »Paris-Syndrom« bezeichnete Kulturschock bringt pro Jahr Dutzende Japaner ins Krankenhaus. Sie sehen ihre romantischen Vorstellungen (Kunst, Liebe, Käse, Wein) von der Metropole brutal enttäuscht. Aufmerksam auf das Phänomen wurde der japanische Psychiater Hiroaki Ota, der im Pariser Saint-Anne-Krankenhaus arbeitet und pro Jahr über hundert Paris-Syndrome diagnostiziert. Dies beginnt regelmäßig mit einem leichten Angstgefühl, das sich dann bis zu einer Art Verfolgungswahn steigert. Betroffene trauen sich nicht mehr auf die Straße und schließen sich in ihren Hotelzimmern oder Wohnungen ein. In Extremfällen besteht sogar Selbstmordgefahr. Bei der japanischen Botschaft in Paris werden jährlich etwa zwei Dutzend gravierende Fälle registriert, in einem Viertel der Fälle muß die sofortige Rückkehr nach Japan veranlaßt werden, um die Kranken zu heilen. Betroffen sind laut Ota vor allem junge Frauen, die »einen Schock durch die Konfrontation der beiden Kulturen« erlitten.

(AFP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 21.09.2006, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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