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16.09.2006
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Fallaci gestorben
Die italienische Schriftstellerin und Journalistin Oriana Fallaci ist tot. Sie starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 77 Jahren in Florenz an Krebs. Berühmt wurde Fallaci als Reporterin im Vietnamkrieg und durch ihren eigenwilligen, konfrontativen Interviewstil, mit dem sie unter anderem Willy Brandt, Henry Kissinger und Deng Xiao-ping zu Leibe rückte. Legendäreweise wurde ein Interview mit Ayatollah Chomeini abgebrochen, als sich Fallaci während des Gesprächs den ihr auferlegten Schleier vom Gesicht riß. In ihrem politischen Leben bewegte sich Fallaci, die seit längerem in New York lebte, von weit links nach rechtsaußen. Die Tochter eines italienischen Antifaschisten und Freundin des griechischen Dichters und Widerstandskämpfers Alexandros Panagoulis, den sie in ihrem Bestseller »Ein Mann« (1979) verewigte, verdammte nach dem 11. September 2001 auf tendenziell-kryptofaschistische Weise den Islam, vor dem sie das Abendland retten wollte. Ihre diesbezügliche Essaysammlung »Die Wut und der Stolz« wurde in Italien über eine Million mal verkauft und trug ihr gleichzeitig eine Anklage wegen Volksverhetzung ein. Im August letzten Jahres wurde Fallaci, die sich »Gott sei dank als Atheistin« bezeichnete, als erste Italienerin überhaupt vom gleichfalls islamfeindlichen Papst Benedikt XVI. empfangen.
(jW)
(jW)
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