Klopps Zukunft
Von René Hamann
Was macht eigentlich Jürgen Klopp? Richtig, offiziell ist er »globaler Kopf für Fußball« bei der Brausedosen-GmbH aus Salzburg, also der Oberboss, was das Kickergeschäft für die nach dem Tod von Dietrich Mateschitz leicht gebeutelte Energiegetränkfirma aus Österreich betrifft. Das Seltsame ist nur, dass davon bislang nicht so wirklich viel zu spüren ist. Den Heavy-Metal-Fußball à la Klopp spielt zur Zeit eher kein Klub, zumindest keiner, der im Zeichen der Dose herumläuft. Konzernflaggschiff RB Salzburg hat es innerhalb einer Woche geschafft, sich erst im Pokal zu blamieren (0:1 gegen Altach aus Vorarlberg im Halbfinale) und außerdem die Meisterschaft wieder spannend zu machen, heißt, Altrivale Rapid Wien wieder zum Leben zu erwecken, übrigens mit demselben Ergebnis: 0:1. Vorher hatte man Lame-Duck-Coach Thomas Letsch, dem schon in Bochum nicht gerade ein erfolgreiches Händchen nachgesagt worden war, den Laufpass gegeben. Genützt hat es bislang nichts.
Ist denn Klopp kein Kandidat für den Trainerstuhl? Vermutlich würde er sich lieber in den Allerwertesten beißen, als sich denselben für den vom Weltfußball aus gesehen doch eher provinziellen Dosenverein dort auf der Bank plattzusitzen und zu schauen, wie man sich gegen den Linzer ASK schlägt. Denn ganz ehrlich, viel zu holen ist in Salzburg nicht. Kein Prestige, keine große Reputation. Die österreichische Meisterschaft zählt nicht, denn die wird bayernlike vorausgesetzt, was allerdings jetzt schon zum dritten Mal infolge schiefzugehen droht. In Salzburg murrt es heftig im Hintergrund, Klopp ist angezählt, auch wenn Jetztchef Oliver Mintzlaff sich noch demonstrativ vor ihn stellt.
Haken tut es auch in New York, Leipzig und Paris, beim dortigen FC droht sogar der Abstieg. Jürgen Klopp indes wird sich, scheint’s, sehr genau ansehen, wohin der Ball auf den richtig heißen Plätzen läuft. In Madrid, bei Real, könnte nach der WM was freiwerden, vorausgesetzt, Mauricio Pochettino, derzeit für die Auswahl des Schurkenstaats und WM-Ausrichters USA verantwortlich, will aus irgendeinem Grund doch nicht dahin. Beim FC Liverpool hat man sich lange genug mit Arne »Slop« Slot herumgeärgert, und ob man Oliver Glasner, seines Zeichens echter Österreicher, von Crystal Palace loseisen kann, weiß man nicht.
Der ist lustigerweise auch für RB Salzburg im Gespräch. Holt Klopp Glasner, wäre das ein echter Coup. Aber da ist der Weltfußball vor. Siehe oben.
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