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Aus: Ausgabe vom 12.03.2026, Seite 3 / Abgeschrieben

Kubanischer Gesundheitsminister zu ethischer Notwendigkeit der Gesundheitsversorgung und Energieblockade

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Eine Frau wartet in einer Entbindungsstation in Havanna in einem Rollstuhl auf ihren Kaiserschnitt (20.2.2026)

In einem Beitrag für die Zeitung El Heraldo de México vom 9. März weist der kubanische Gesundheitsminister José Angel Portal Miranda auf die Folgen der US-Blockade für das Gesundheitssystem Kubas hin:

(…) In der komplexen Landschaft der zeitgenössischen Geopolitik verschleiern Wirtschaftszahlen oft die tatsächlichen menschlichen Folgen politischer Entscheidungen, mit denen Regierungen in ihren Beziehungen zu anderen Ländern undurchsichtige politische und wirtschaftliche Vormachtansprüche verfolgen – oft unter Gefährdung von Menschenleben.

Ein eindeutiger Beweis für diese Realität sind die Instrumente, die die Regierung der Vereinigten Staaten verzweifelt und grausam gegen Kuba einsetzt und die die Risiken und Gefahren für das Leben unseres Volkes immer weiter erhöhen. Was für mein Land historisch gesehen eine seit mehr als sechs Jahrzehnten andauernde Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade war, hat sich in letzter Zeit zu einer noch aggressiveren und unmenschlicheren Phase gewandelt: der Erstickung durch die Energieblockade unter falschen Vorwänden. (…) Im Gesundheitswesen führt diese Situation zu einer permanenten objektiven Anspannung: Das nationale Gesundheitssystem ist auf eine kontinuierliche Stromversorgung und eine Logistik angewiesen, die derzeit stark beeinträchtigt ist. (…)

Hinter den Zahlen stehen leidende Patienten und Familien, die auf Lösungen warten, die sich aufgrund externer Faktoren, die das Ergebnis der fortschreitenden Politik der Strangulierung der kubanischen Wirtschaft durch die Regierung der Vereinigten Staaten sind, manchmal verzögern oder gar nicht eintreffen. Derzeit umfasst die Warteliste für Operationen im Land 96.387 Patienten, darunter 11.193 Kinder. Angesichts der aktuellen Energieknappheit steigen diese Zahlen weiter an, da das nationale Gesundheitssystem gezwungen ist, nicht dringende Operationen zu verschieben, um onkologische und andere lebenswichtige Eingriffe vorrangig durchzuführen. (…) So steht beispielsweise das Programm für Mutter-Kind-Versorgung derzeit vor der Herausforderung, die Nachsorge von 32.000 schwangeren Frauen sicherzustellen, die grundlegende diagnostische Ultraschalluntersuchungen benötigen. Darüber hinaus hat die Unterbrechung des Kühltransports aufgrund von Treibstoffmangel dazu geführt, dass mehr als 30.000 Kinder ihre Impfungen nicht rechtzeitig erhalten haben, obwohl die Impfstoffe in unseren Lagern vorrätig waren. Hinzu kommt die Versorgung von 16.000 Patienten in der Strahlentherapie und weiteren 2.888 Patienten, die auf Hämodialysebehandlungen angewiesen sind – Leistungen, die eine Energieversorgung erfordern, die derzeit nur sehr schwer zu gewährleisten ist.

Trotz dieser und anderer Herausforderungen, denen sich das nationale Gesundheitssystem gegenübersieht, ist sein Betrieb nicht zusammengebrochen. Die Antwort darauf war nicht Lähmung, sondern eine strategische Umstrukturierung auf der Grundlage von Resilienz und Ressourcenoptimierung. (…) Unser Appell an die internationale Gemeinschaft ist nicht ideologischer, sondern zutiefst humanitärer Natur. Die öffentliche Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, das nicht durch politische Streitigkeiten oder den Einsatz von Energie als Druckmittel beeinträchtigt werden sollte. (…)

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