Aus: Ausgabe vom 06.03.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Kongo: 200 Tote bei Einsturz von Coltanmine
Goma. Beim Einsturz einer Coltanmine des Rubaya-Tagebaus im Osten des Kongo am Dienstag sind mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Grund dafür sei ein Erdrutsch gewesen, bestätigte das kongolesische Bergbauministerium am Mittwoch. Vor etwa einem Monat hatte heftiger Regen in dem von Proxymilizen kontrollierten Tagebau zu einem vergleichbaren Unfall geführt. (AP/jW)
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Leserbrief von Roland Winkler aus Aue (9. März 2026 um 11:48 Uhr)Coltan ist ein begehrtes Erz, wichtiges Mineral für elektrotechnische Geräte. Unter welchen unmenschlichen Bedingungen das Mineral u. a. im Kongo abgebaut wird, oft von Kinderhänden gefördert wird, das wollen wohl die wenigsten genau wissen. Nicht anders ist es mit den Kakaobohnen oder den Freiheitsfrüchten Bananen u. v. m. Den Einsturz einer Coltanmine mit hunderten Opfern nehmen die meisten teilnahmsloser zur Kenntnis als vielleicht die Schwankungen ihrer Coltanaktien an der Börse. Als die Meldung über den Einsturz der Coltanmine im Kongo zu lesen war, kam mir unweigerlich in Erinnerung, welche Hoffnungen wir als Jugendliche mit der sozialistischen Entwicklung der Republik Kongo unter ihrem Präsidenten Patrice Lumumba hatten, wie uns dieser Kämpfer für die Befreiung seines Volkes aus belgischer Kolonialherrschaft beeindruckte. Unfassbar schien uns aus wohlbehüteter Sicht in der DDR, auf welche grausame Weise Lumumba ermordet wurde. Vor Auge und Ohr hatten wir in diesen Jahren, als sich viele afrikanische Völker ihrer Kolonialherrscher entledigten und ihre Unabhängigkeit erkämpften, wie eine Dokumentation im DDR-Fernsehen von Heynowski- Scheumann den »Kongo-Müller« vor die Kamera bekamen, und seine Mordorgien im Kongo verfilmten, kommentierten. Es sind Bilder, die bis heute unauslöschbar sind. Hat dieser Mörder in der damaligen Bundesrepublik ebenso empörte Emotionen erweckt? Haben Medien der damaligen BRD ihrer Bevölkerung unter ähnlicher Beachtung wie in der DDR diese Grausamkeiten an Hörer und Zuschauer gebracht? Warum bewegt mich die Frage? Mit Familie in erzgebirgischer Gaststätte zum Abendessen, dabei auch ganz junge Menschen, die plötzlich empört auf die Getränkekarte zeigten. Ein Mixgetränk mit Bezeichnung »Lumumba« hat sie zu Recht aufgebracht. Sehr vielen Jugendlichen wird nicht einmal der Name noch etwas sagen. Politische Korrektheit ist wichtig und richtig. Bisher nicht zu erfahren war, wie über die korrekten politischen Begriffe und Worte ihre historische Einordnung, Entstehung, Inhalte wie ihre Zusammenhänge zum jetzt und heute dieser Völker im Bewusstsein ist und Denkweisen wie Haltungen hervorbringt. Es sind noch viele Worte, die wir lesen und hören, vielleicht auch gedankenlos aussprechen, weil sie ihre historische Zeit hatten, langlebig sind, nicht immer in rassistischem Verständnis verwandt werden. Darauf kommt es sicher an. Nicht das gedankenlos geplapperte Wort macht es. Wie es gemeint ist, welcher Geist, Haltung und Einstellung bis zum Tun und Handeln, danach ist mein Gegenüber zu beurteilen und sich vielleicht mal zum Begriff zu unterhalten.
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