Greese, Reichel, Hoffmann
Von Jegor Jublimov
Bekannt wurde der gebürtige Lübzer Wolfgang Greese am Volkstheater Rostock im Kriminalstück »Das Haus im Schatten« (auch im DFF, ab 1972 Fernsehen der DDR). Schon 1965 konnte er an die Berliner Volksbühne wechseln, 1971 ins Festengagement beim DFF. Bis 1999 – in »Mama ist unmöglich« als Old Henry – stand er rund 200mal für Film und Fernsehen vor der Kamera. Gelegentlich gab es eine Titelrolle, so 1974 in »Orpheus in der Unterwelt« (1974), aber Nebenrollen, sei es als Richter, Arzt, Verleger, Sheriff, Wirt, Baron oder Ingenieur machten ihn unentbehrlich. Als Chef in »Die Architekten« wurde er 1990 als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Regisseure wie Egon Günther, Horst E. Brandt, Lothar Warneke und Peter Schamoni holten ihn aufgrund seiner Wandlungsfähigkeit immer wieder in ihre Filme. Greese, der zuletzt mit Manja Göring verheiratet war, wäre am Sonntag 100 geworden. Er starb 2001.
Als Richter wirkte Greese 1980 in Horst Seemanns Bobrowski-Verfilmung »Levins Mühle« mit, in dem Käthe Reichel, geboren am 3. März 1926, als Frau eines Predigers eine ihrer eindrucksvollsten Rollen spielte. Die in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Berlinerin, deren Vater im KZ Dachau ermordet wurde, führte der Weg ans Volkstheater Rostock, wo sie in einem Brecht-Stück 1950 von Helene Weigel gesehen und nach Berlin geholt wurde. Brecht förderte ihr ungewöhnliches Talent, gab ihr große Rollen und inspirierte sie. Bis 1990 war das Deutsche Theater Berlin ihre Hauptwirkungsstätte, aber beim Film war sie ebenfalls tätig. Rainer Simon besetzte sie 1969 in »Wie heiratet man einen König?« und in weiteren Filmen. Die Kinderserien »Spuk unterm Riesenrad« (1979) und »Spuk im Hochhaus« (1982) machten sie populär. Eine ihrer schönsten Rollen gab ihr Thomas Langhoff 1980 als »Muhme Mehle« in einer Adaption einer antifaschistischen Erzählung von Ruth Werner. Käthe Reichel war eine Nonkonformistin, demonstrierte 1991 gegen den Golfkrieg und 1993 für die Kalikumpel von Bischofferode. Treuhänderin Birgit Breuel bekam einen wütenden Brief von ihr. Mit 80 Jahren veröffentlichte Reichel ihre Gedichte an Brecht unter dem Titel »Windbriefe an den Herrn b. b.«
Ebenfalls am Dienstag hat Jutta Hoffmann Geburtstag. Sie spielte zuletzt vor zehn Jahren in »Ein Teil von uns« eine psychopathische Mutter und wurde dafür ausgezeichnet. Seither stand sie vorrangig für Hörspiele und Lesungen im Studio. Vor 85 Jahren bei Halle geboren, ging sie ihren Weg von der Laienspielgruppe der Buna-Werke zur Babelsberger Filmhochschule, spielte erste große Filmrollen und spätestens, seit Egon Günther sie ab 1971 in seinen Filmen besetzte, musste man sie ein außerordentliches Leinwandereignis heißen. Für »Der Dritte« gewann sie 1972 einen Darstellerpreis in Venedig, in »Lotte in Weimar« (1975) behauptete sie sich neben Weltstar Lilli Palmer. Nachdem Hoffmann ihr Hauptarbeitsgebiet 1983 in den Westen verlagert hatte (immerhin blieb sie Mitglied des FDGB), erhielt sie nur noch selten aufregende Filmangebote – mit Ausnahme der »Polizeiruf«-Reihe um Wanda Rosenbaum (1999–2002). Aber die Hoffnung, sie wieder auf dem Bildschirm zu sehen, wollen wir nicht aufgeben.
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