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Aus: Ausgabe vom 19.02.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Wetz­stein I

Zu jW vom 13.2.: »Die Begriffe schärfen«

Patrik Köbeles Darstellungen der Dekolonisierung und zur Entwicklung Russlands seit 1991 verdienen der weiteren Beschäftigung und können hilfreich sein, Debatten zu bereichern. Im Hinblick auf den Anspruch, etwas zur »Analyse des Imperialismus« und zur Schärfung des Begriffs beizutragen, greift das Referat aber zu kurz und enttäuscht: Im Referat erscheint der Imperialismus lediglich als Ausprägung von Außenpolitik und der (neo-)kolonialen Unterdrückung anderer Nationen. Diese Verkürzung des Imperialismusbegriffs war schon Gegenstand der Kritik, die Lenin an den sozialdemokratischen und bürgerlichen Theorien seiner Zeit vorbrachte. Statt dessen rückte Lenin die »Frage nach dem ökonomischen Wesen des Imperialismus« (Lenin-Werke, Band 22, S. 192) in das Zentrum seiner Analyse. Er beantwortete diese Frage mit Hinweis auf die besondere Ökonomie des Monopolkapitalismus – und das heißt auf die besonderen gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen und die spezifischen Herrschaftsverhältnisse, die mit dem Übergang zum Monopolkapitalismus einhergehen. All dies findet im Referat keine Berücksichtigung. Die Ökonomie taucht nur (als von der Landesgröße abhängiges!) Kriterium zur Beurteilung Israels auf. Der Rückfall in einen vorleninistischen Umgang mit dem Begriff des Imperialismus lässt das spezifische innenpolitische Herrschaftsverhältnis des Imperialismus verschwinden und ignoriert auch den ökonomischen Kern des Imperialismus (das Monopolkapital) bei der Beurteilung des imperialistischen Wesens von Staaten. Im Ergebnis erscheint dann ein Bruch mit den USA als vermeintlicher Bruch mit »dem Imperialismus«. Zum Schluss stellt das Referat richtig fest, dass ohne eine Analyse des Imperialismus keine Strategie und Taktik zu entwickeln ist. Ich wüsste keine mit der DKP vergleichbare Organisation, die zu einer marxistisch-leninistischen Analyse des Imperialismus besser befähigt sein sollte. Der DKP und uns allen ist daher zu wünschen, dass dieses Referat nicht ihrer Weisheit letzter Schluss bleibt!

Jürgen Lloyd, Krefeld

Wetz­stein II

Zu jW vom 13.2.: »Die Begriffe schärfen«

In der jW vom 13. Februar 2026 wurde ein Referat von Patrik Köbele, Parteivorsitzender der DKP, veröffentlicht unter der Überschrift »Die Begriffe schärfen«. Nun ist das Schärfen der Begriffe für das begreifende Denken in der Gegenwart ein löbliches Unterfangen, noch dazu, wenn das Theorieangebot der gegenwärtigen Vertreter des deutschen Monopolkapitals, wie z. B. der derzeitigen Wirtschaftsministerin, Katherina Reiche, durchaus dürftig ist. Patrik Köbele bezieht sich in seinem Referat mehrfach auf Lenin. In dem abgedruckten Text kommen Marx und Engels nicht vor, weder als Namen, noch inhaltlich. Wie man Begriffe schärfen kann ohne Marx und Engels, wird das Geheimnis von Köbele bleiben.

Köbele gibt einen Überblick über die Veränderungen in den politischen Verhältnissen der letzten Zeit. Er bewegt sich dabei auf der Ebene der Beschreibung auf der Oberfläche der Erscheinungen. Welche Begriffe hierbei geschärft werden sollen, bleibt unklar; auch wie man dies erreichen könne. Eine Erklärung der wesentlichen Veränderungen in den sozioökonomischen Verhältnissen wird gar nicht erst versucht. Es kommt aber darauf an, die Entwicklung der Produktivkräfte und ihre Wechselwirkungen mit den Produktionsverhältnissen sowie die dabei auftretenden Widersprüche zu analysieren und ihre vielfältigen Vermittlungen mit den Veränderungen in den politischen Verhältnissen in den Blick zu nehmen. Dazu sollte man weiter daran arbeiten, die Begriffe zu schärfen, denn nur wenn man das passende Kopfwerkzeug hat, kann man auch die Wirklichkeit adäquat begreifen und daraus politische Konzepte entwickeln.

Bernd Vogel, Leipzig

Heilige Herrschaft, unheilige Macht

Zu jW vom 9.2.: »Den Heiligenschein herunterreißen«

Menschen haben Gott nach ihrem Bild und Gleichnis geschaffen. Dem gegenüber steht im ersten Buch Mose, der Genesis, in Vers 1.27 nach der Einheitsübersetzung: »Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.« Niemand kennt die Autoren der biblischen Erzählung, den fehlenden Weltverstand ersetzten sie durch ihnen zugeschriebene, göttliche Inspiration und Worte. Orientieren wir uns daher an den Interpretationen lebender Bibelexegeten in bezug auf heutige Wertvorstellungen und politische Zielsetzungen. Und dies erzeugt merkwürdigste Verrenkungen des Denkens, wie »Bomben für den Frieden!«, und des Glaubens, der, umgeben von Weihrauch und Kirchengeläut, sich vom Pazifismus verabschiedet hat – und damit vom Menschen –, indem er Wehrpflicht, nukleare Abschreckung und militärische Aufrüstung akzeptiert. Am Horizont warten abermals religiöse Segnungen von Soldaten, Fahnen und Waffen, die den Parolen dienen, mit denen Kapitalisten Arbeiter – Männer und Frauen – für sich kämpfen und sterben lassen.

Konrad Mahr, per E-Mail

Es war einmal

Zu jW vom 14.2.: »Aufstieg und Fall der Stadt G.«

Vorbei die Zeit: Industriestadt mit hoher Bruttowertschöpfung, Eisenbahnknoten mit Städteexpressanbindung (Ex-Elstertal) nach Berlin, Fürstentum eines ersten Sekretärs mit Protokollallüren, aber Interesse und Tatkraft für seinen Bezirk. Gera hat sich zu DDR-Zeiten intensiver und ausgewogener entwickelt als so manch andere Bezirksstadt in der DDR. Alle Städte, die ähnlich groß wie Gera waren (z. B. Dessau, Zwickau, Görlitz, Stralsund, Wismar, Cottbus), sind wirtschaftlich unbedeutend und verbrauchen mehr, als sie produzieren. Das war bis 1989 umgekehrt und damit gesünder.

André Möller, Berlin

Am Horizont warten abermals religiöse Segnungen von Soldaten, Fahnen und Waffen, die den Parolen dienen, mit denen Kapitalisten Arbeiter für sich kämpfen und sterben lassen.

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