Gegründet 1947 Mittwoch, 18. Februar 2026, Nr. 41
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 18.02.2026, Seite 16 / Sport
Olympische Winterspiele

Eins, zwei, drei

Eishockey: Kanada und USA im Finale des olympischen Frauenturniers. Deutsche Männer im Viertelfinale.
Von Max Grigutsch
APTOPIX Milan Cortina Olympics Ice Hockey.jpg
Halbfinale am Montag: Schweiz vs. Kanada

Kaum ein Sport dürfte den Puls so ansteigen lassen wie Eishockey auf höchstem Level. Diese bei ebenbürtigen Gegnern durchaus angebrachte Hypothese wird regelmäßig von der Realität eingeholt, die da ist: Auf internationaler Ebene sind die Kontrahenten meist eben nicht auf Augenhöhe. Den Weltmeistertitel der Eishockeyfrauen konnte sich das kanadische Team bisher 13 Mal sichern, die USA elf Mal, andere Siegerteams gab es nicht. Ähnlich sieht es bei den Olympischen Winterspielen aus.

Bei den diesjährigen stehen sich am Donnerstag abend – Überraschung – die Spielerinnen aus Kanada und den USA im Finale gegenüber. Letztere hatten sich im Halbfinale gegen Schweden, erstere gegen die Schweiz durchgesetzt. Zuvor war das deutsche Team im Viertelfinale ohne größere Probleme abgeräumt worden. Nach 60 Minuten stand es 5:1 für die Kanadierinnen. Das erste Tor netzte Brianne Jenner nach weniger als zwei Minuten Spielzeit ein. Den Trosttreffer versenkte Franziska Feldmeier durch einen hervorragenden Eins-auf-null-Konter, sie verzögert, bis die kanadische Torhüterin in den Butterfly geht, zieht dann links vorbei. Aber bei 43 zu 11 Torschüssen für Kanada setzten sich der Favoritinnen durch.

Das Erwartbare durchbrechen, diese Hoffnung bleibt auch bei den Männern – angesichts der Anwesenheit der aus der nordamerikanischen Topliga hinzugekommenen Spieler ist das aber so unwahrscheinlich wie lange nicht mehr. Die NHL-Weltklassespieler waren zuletzt 2014 für das olympische Turnier freigestellt worden.

Medial vorbereitet wurde die Ausnahme mit Heldengeschichten über die jeweiligen Superstars. Was für eine Performance wird der Liga-Topscorer (96 Punkte) von den Edmonton Oilers, Connor McDavid, genannt McJesus, für das kanadische Team liefern, wenn er zusammen mit Spielern wie Nathan MacKinnon (Zweiter auf der Punkteliste), dem 19jährigen Nachwuchswunder Macklin Celebrini (Rang vier) und der lebenden Hockeylegende Sidney Crosby auf dem Eis steht? Antwort: Neun Punkte in neun Dritteln, Vorrundenrekord. Oder was zeigt der deutsche Fahnenträger Leon Draisaitl, seines Zeichens der wohl beste Spieler in der Geschichte des deutschen Eishockeys und aktuell Platz fünf in der NHL-Punkte-Hackordnung, wenn er mit einem Team spielt, das nur sieben NHL-Spieler vorzuweisen hat? Antwort: Mittelmaß. Gegen die deutlich bessere US-Mannschaft hatte der Center jedenfalls nichts zu melden. Endstand 5:1 für die USA und ein Gezwitscher von Matthew Tkachuk an ­Draisaitl – »Immer nur die Brautjungfer, nie die Braut« – in Anspielung auf seinen Oilers-Teamkollegen McDavid. Das dürfte tief sitzen.

Anders im Auftaktspiel gegen Dänemark. Nach nur 23 Sekunden fälscht Draisaitl einen Pass von Frederik Tiffels (Eisbären Berlin) ins gegnerische Tor ab. Ein brillanter Start, der zeigt: Eishockey wird eben nicht von Einzelnen, sondern mindestens zu zweit gespielt. Nicht nur auf dem Eis. So zusammen gespielt hätten die beiden schon als Kinder »auf der Straße in Köln«, sagte der deutsche Kapitän nach der Partie über seine langjährige Freundschaft mit Tiffels. Mit einem 3:1 gegen die Dänen erkämpften die Deutschen ihren einzigen Vorrundensieg, bevor sie zwei Tage später gegen Lettland eine 3:4-Überraschungsniederlage einstecken mussten.

Gutes Eishockey geht noch besser zu dritt. Das Dreieck als Offensivformation wird jedem Hockeyspieler von klein auf eingebläut. Zwei Stürmer tief, einer im hohen Slot, bedeutet bei gutem Passspiel: Besser werden die Chancen nicht. Bewies auch die eigentlich enttäuschende tschechische Mannschaft, nachdem Außenseiter Frankreich miserabel gewechselt und ein Drei-auf-null zugelassen hatte: Pass von links nach rechts, zurück nach links, Radim Šimek fährt nur als Drohung im hohen Slot mit – unhaltbar für Goalie Martin Neckar.

Was zu dritt läuft, geht am besten im Team. Die Tiefe der Kader dürfte den Ausschlag geben – und da haben Kanada und die USA ein unaufhaltsames Übergewicht. Zu Beginn der laufenden NHL-Saison waren knapp 42 Prozent der Liga kanadischer Herkunft, fast 27 Prozent waren US-Spieler. Klartext: Will die deutsche Auswahl eine Medaille, braucht sie eine Meisterleistung und vor allem viel Glück. Zumindest Letzteres scheinen sie Stand Montag zu haben. Mit zwei Niederlagen und nur einem Sieg in der Vorrunde sind sie auf Platz zwei in ihrer Gruppe gelandet und waren so am Dienstag im Qualifikationsspiel für das Viertelfinale gegen die schwachen Franzosen gesetzt, das die Deutschen mit 5:1 für sich entschieden. Im Viertelfinale wartet die Slowakei – neben Kanada, den USA und Finnland der wohl einfachste Gegner in dieser Runde.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.