Blume will stillegen
Von Oliver Rast
Die Bosse drücken weiter aufs Tempo, verschärfen den Kürzungskurs: bei Volkswagen. Vorstandschef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz wollen Medienberichten zufolge ein »neues Sparprogramm« auflegen, mit einem Volumen von – astronomisch klingenden – 60 Milliarden Euro. Damit würden die Kosten bis 2028 um 20 Prozent gesenkt – konzernweit. Selbst betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen würden beim größten deutschen Autobauer nicht ausgeschlossen, berichtete Welt.de am Dienstag und stützt sich dabei auf Angaben des Manager Magazins vom Vortag.
Szenarien wie Produktionsstillegungen und Betriebsbrachen will ein Unternehmenssprecher am Dienstag gegenüber jW nicht bestätigen – und gibt sich geheimniskrämerisch. Man befinde sich in der »Quiet Period« (Schweigephase), könne nichts zu Finanzthemen sagen, die sich auf den Aktienkurs auswirken könnten. Anlegerschutz ist das. Nur so viel: Bereits vor drei Jahren habe die VW Group »mit einem operativen Zukunftsprogramm begonnen«. Seitdem seien Einsparungen in zweistelliger Milliarden-Euro-Höhe erreicht worden, um »geopolitische Gegenläufer abzufedern«: Absatzflaute in China, US-Zollpolitik, internationaler Konkurrenzdruck. Der Showdown dürfte auf der Jahrespressekonferenz am 10. März sein, dann werde CEO Blume »einen Zwischenstand kommunizieren«.
Unverständlich – zumal Ende 2024 Gesamtbetriebsrat, IG Metall (IGM) und VW-Vorstand erst einen »Dezemberkompromiss« ausgehandelt hatten. Inhalt: Vernichtung von rund 35.000 Jobs bis 2030 allein hierzulande – »sozialverträglich« mittels Altersteilzeit, Vorruhestand, Fluktuation. Im Gegenzug hätten Blume & Co. zugesichert, auf Kündigungswellen und Fabrikdemontage zu verzichten. Nun scheinen Beschäftigungsgarantie und Standortsicherung wieder zur Disposition zu stehen.
Davon will Daniela Cavallo nichts wissen. »Mit uns wird es das nicht geben«, betonte die Chefin des VW-Gesamtbetriebsrats am Montag in einer Stellungnahme. Spekulationen darüber seien überflüssig. Ähnlich äußerte sich Thorsten Gröger. Da ja »weitere Einschnitte« nicht an die Tarifvertragspartei IGM herangetragen worden seien, so deren Verhandlungsführer am Dienstag auf jW-Nachfrage. »Wir verfügen über ein bestehendes, tragfähiges Tarifvertragswerk.« Dem waren »harte Warnstreiks« der Kollegen vorausgegangen. Die Belegschaft habe im Rahmen dieses Abschlusses bereits einen erheblichen Beitrag geleistet, rund 1,5 Milliarden Euro, weiß Gröger, um dem Unternehmen wirtschaftlichen Spielraum für notwendige Investitionen zu geben. Oder wohl eher mehr Spielgeld für Boni und Dividenden.
Denn noch bei der Bilanzierung des dritten Quartals 2025 hatte VW-Finanzchef Antlitz verkündet, am Jahresende sei Ebbe in der Kasse. Eine Fehlkalkulation. Beim Kassensturz, dem »Netto-Cashflow«, jüngst lagen sechs Milliarden Euro in den Geldkassetten – plötzlich und unerwartet.
Der Vorstand beherrsche offenbar nicht die Grundrechenarten, sagte der industriepolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Die Linke, Mirze Edis, am Dienstag zu jW. Mehr noch: Es sei ein Unding, »dass VW-Konzernchef Blume in einer solchen Situation mit Werksschließungen und Arbeitsplatzabbau in riesigem Ausmaß droht.« Statt dessen hätten Beschäftigte eine Anerkennungsprämie verdient, fordert Christiane Benner, erste IGM-Vorsitzende und VW-Vizeaufsichtsratsvorsitzende. Sie hätten geliefert, geleistet, geschwitzt.
Stimmt. Bloß, prämiert wird bei Beschäftigten nichts – gekürzt schon. Mit Tempo.
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