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Aus: Ausgabe vom 11.02.2026, Seite 3 / Ansichten

Tarnflugzeug des Tages: »Romeo«

Von Arnold Schölzel
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Vor einem Jahr kündigte Boris Pistorius auf der Münchener »Sicherheitskonferenz« ein »Defense Lab Erding« an. Dessen Ansiedlung, trompetete im Dezember 2025 Markus Söders Kabinett stolz, sei »ein zentraler Meilenstein der deutschen Verteidigung«. Am 2. Februar eröffneten Pistorius und Söder auf dem früheren Fliegerhorst Erding ein Innovationszentrum der Bundeswehr. Pistorius gewohnt manisch: »Innovation gehört zum Kern glaubwürdiger Abschreckung.«

Am 8. Februar ging es damit los, wie dpa am Dienstag berichtete. Erstmals wurde Journalisten der Prototyp des elektrisch betriebenen Senkrechtstarters »Romeo« der Firma ERC System aus Ottobrunn vorgeführt. Ein Traktor zog ihn laut Spiegel aus einer einstigen Halle für »Eurofighter«. Das 2,7 Tonnen schwere Gerät für sechs Personen flog fünf Minuten lang, und die ERC-Chefs kündigten an, es könne bis zu 800 Kilometer weit fliegen, weil es eine Tragfläche und einen treibstoffgetriebenen Generator habe. Anwesend war ein Vertreter der DRF-Luftrettung, der davon ausging, »dass wir deutlich mehr Patiententransporte sehen werden«. Dies hänge unter anderem mit den Finanzproblemen vieler Krankenhäuser, deren Schließungen und den Plänen der Bundesregierung zusammen.

ERC, das seit 2020 streng geheim den Flieger entwickelte, hat – wer hätte es gedacht? – auch militärische Absichten. ERC ist rein zufällig eine Tochter des alten BRD-Wiederaufrüstungssponsors IABG – bereits 1961 vom seligen Franz-Josef Strauß gegründet. Der Amtsvorgänger von Pistorius folgte wie dieser der Devise: Jedem Rüstungsunternehmen nach seinen Bedürfnissen, die Fähigkeiten von Krankenhäusern verkümmern lassen.

Nur mit der Abschreckung wird es offenbar bei aller Innovation nichts: Die Fluglizenz für »Romeo« soll 2031 da sein. Das ist zu spät. Laut Pistorius greift Russland Jahre früher an.

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