Gegründet 1947 Dienstag, 10. Februar 2026, Nr. 34
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 10.02.2026, Seite 16 / Sport
Olympia

Tragisches Ende

Lindsey Vonn stürzt schwer bei der alpinen Skiabfahrt in Cortina
Von Gabriel Kuhn
2026-02-08T134326Z_1583453631_RC2PHJAD3SZA_RTRMADP_3_OLYMPICS-20
Inzwischen operiert: Lindsey Vonn bricht sich das Schienbein bei der Abfahrt der Frauen in Cortina

Die Kurzfassung: Im Februar 2019 erklärt die US-Amerikanerin Lindsey Vonn als erfolgreichste Abfahrerin der alpinen Skigeschichte mit 34 Jahren ihr Karriereende. Der Körper macht nach den vielen Verletzungen nicht mehr mit, das halbe rechte Knie wird durch eine Prothese aus Titan ersetzt. Vonn bleibt im Rampenlicht, investiert in mehrere Unternehmen und unterstützt den umstrittenen Quereinsteiger Johan Eliasch, bei dessen Skimarke sie unter Vertrag stand, bei der Wahl zum Präsidenten des Internationalen Skiverbands.

Im November 2024 entscheidet sie sich, nunmehr 40 Jahre alt, zu einem Comeback im Weltcup. Die österreichische Speedfahrerin Stephanie Venier, ihres Zeichens Weltmeisterin im Super-G, meint: »Wenn sie zurückkommt und einmal schneller ist als ich, dann lasse ich es.« Vonn lässt Venier gleich bei ihrem ersten Rennen hinter sich. Am Ende der Saison steht sie in Sun Valley als Zweite im Super-G schon wieder auf dem Podest.

In dieser Tonart geht es in der Saison 2025/26 weiter: Vonn gewinnt zwei Abfahrten und führt die Wertung im Abfahrtsweltcup an. Doch das ganz große Ziel ist Olympia. Auf der Tofana in Cortina d’Ampezzo, wo die Damenabfahrt ausgetragen wird, gewann Vonn im Weltcup bereits zwölf Mal. Doch dann die Hiobsbotschaft: In der letzten Weltcupabfahrt vor den Spielen reißt Vonn in Crans-Montana bei einem Sturz das Kreuzband. Olympiatraum ade? Nein. Vonn will mit Spezialschiene trotzdem starten. Eigentlich Wahnsinn, doch Vonn will es der Welt beweisen. Schon einmal hatte sie alle eines Besseren belehrt.

Der Beweis dauert dreizehn Sekunden. Es scheint, als würde das verletzte Knie bei einer Bodenwelle dem Druck nicht standhalten, Vonn hebt ab, verfängt sich in einem Tor, prallt seitlich verdreht auf der Piste auf und überschlägt sich. Die Bindung ihrer Skier löst nicht aus, sie kommt vor Schmerzen schreiend auf der Piste zu liegen, im Ziel wird es mucksmäuschenstill. Der Helikopter kommt, Vonn wird abtransportiert, im Krankenhaus wird ein Schienbeinbruch diagnostiziert, sie wird umgehend operiert. Mit der Karriere scheint es nun wirklich vorbei zu sein.

Der Olympiasieg in der Abfahrt ging trotzdem an die USA. Breezy Johnson aus Wyoming ist nun Weltmeisterin (Saalbach 2025) und Olympiasiegerin, ohne je eine einzige Weltcupabfahrt gewonnen zu haben. Nur vier Hundertstelsekunden zurück: Die 22jährige Emma Aicher vom SC Mahlstetten. Der Sport schreibt alle möglichen Geschichten.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.