Gegründet 1947 Dienstag, 10. Februar 2026, Nr. 34
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 10.02.2026, Seite 16 / Sport
American Football

Spanish Songs

Die Seattle Seahawks gewinnen den Super Bowl im American Football gegen die New England Patriots. Und Bad Bunny stiehlt allen die Show
Von Frederic Schnatterer, New York City
16.jpg
And the winner is: Bad Bunny

Zehn Minuten, nachdem der Caribbean Social Club im New Yorker Stadtteil Brooklyn seine Türen geöffnet hat, ist kein Reinkommen mehr. In der legendären Bar von María Antonia »­Toñita« Cay, wo heute ausnahmsweise nicht nur Domino und Billard gespielt und billig Bier getrunken, sondern auch der Super Bowl gezeigt wird, gibt es einen Einlassstopp. Angekündigt war der »Benito Bowl« – eine Anspielung auf Bad Bunny, der mit bürgerlichem Namen Benito Antonio Martínez Ocasio heißt und wie die Besitzerin der Williamsburger Institution aus Puerto Rico kommt. Der Popstar bespielt die Halbzeitshow beim großen Finale der National Football League (NFL). In Zeiten rassistischer Abschiebepolitik und Hetze hat er die Aufmerksamkeit des größten Sportevents der USA auf sich gezogen. Die lateinamerikanische Community in den Vereinigten Staaten sieht in seinem Auftritt ein Zeichen gegen die menschenverachtende Regierung von Donald Trump.

Für mich bedeutet das: Ich muss den Super Bowl an einem anderen Ort verfolgen. Schade, ist das Sportevent als solches doch relativ arm an Höhepunkten. Entsprechend schnell ist es erzählt. Am Ende steht es am Sonntag abend (Ortszeit) nach fast vier Stunden 29:13 für die Seattle Seahawks gegen die New England Patriots. Zu keinem Zeitpunkt hatten die Fischadler von der Westküste etwas anbrennen lassen. Ihre Defensive hatte im kalifornischen Santa Clara alles im Griff. Am Ende steht der zweite Super-Bowl-Titel nach 2014. Die New England Patriots verpassen den siebten Titel und damit den Status als alleinige Rekordsieger vor den Pittsburgh Steelers deutlich.

Ein Augenschmaus ist die Defensivschlacht wahrlich nicht. Erst im letzten Viertel sorgt Seattles Tight End Albert Javonte Barner für den ersten Touchdown des Spiels. New Englands Mack Hollins zieht zwar direkt nach und stellt kurzzeitig auf 7:19. Für die Kehrtwende schleichen sich bei den Ostküstlern jedoch zu viele Fehler ein. Die Entscheidung besorgt letztlich Seahawks-Edge-Rusher Uchenna Nwosu, der das Ei gemütlich über 44 Yards bis zur Endzone trägt. Zuvor hatte Devon Witherspoon das Spielgerät aus den Klauen von Drake Maye geschlagen.

Sportlich waren die Erwartungen an das NFL-­Finale ohnehin gering gewesen. Nicht nur standen sich zwei Außenseiter im Finale gegenüber, mit denen vor der Saison wohl nur wenige gerechnet hätten. Auch ging es vielmehr um das Drumherum – eine Binsenweisheit, die nur eingefleischte Footballfans wider besseres Wissen nicht gelten lassen wollen. Die NFL ist nun einmal mehr Show als Sport. Werbeclips sind wichtiger als sehenswerte Spielszenen. Allein in den Vereinigten Staaten sehen rund 120 Millionen Menschen live bei dem wirtschaftlichen Großereignis zu. Der Preis für einen 30sekündigen Werbespot lag in diesem Jahr bei rund acht Millionen US-Dollar.

Das ist keineswegs neu. Hinzu kam in diesem Jahr, zur 60. Auflage, dass mit Bad Bunny ein Künstler die Halbzeitshow mit ausschließlich spanischsprachigen Songs bespielte – das erste Mal in der Geschichte. Die 13 Minuten, die dem Superstar zur Verfügung standen, nutzte er für eine an Symbolik kaum zu überbietende Darbietung von karibischem und lateinamerikanischem Stolz und Selbstbewusstsein. In Zeiten, in denen die ICE-Schergen von Trump in Minneapolis Jagd auf alle vermeintlich Fremden machen, betonte Bad Bunny, dass Amerika mehr ist als die »weißen« USA. Die subtil gehaltene Kritik am Kurs des Präsidenten saß. Das bestätigte Trump via Social Media persönlich: Die Halbzeitshow nannte er einen »Schlag ins Gesicht unseres Landes«. »Niemand versteht ein Wort von dem, was dieser Typ sagt, und der Tanz ist widerlich, besonders für kleine Kinder, die in den USA und auf der ganzen Welt zuschauen«, behauptete er.

Der wahre Gewinner des Super Bowls ist daher Bad Bunny. Für die lateinamerikanische und besonders die karibische Community ist er ein Symbol für den Teil der USA, der nicht »Make America Great Again« krakeelt, sondern für Toleranz und Miteinander und das Recht auf Mitsprache einsteht. Für die NFL indes ist er vor allem ein Geschäftsmodell. Den Verantwortlichen des Footballverbandes ist es egal, ob da einer auf spanisch singt oder eine andere Sicht als die Trump-Regierung beim Thema Migrationspolitik vertritt. Ihnen geht es darum, den Gewinn zu maximieren. Als die Bevölkerungsgruppe, die die besten Wachstumsmöglichkeiten bereithält, hat die NFL das spanischsprachige Publikum ausgemacht. Und bei der hat sie am Sonntag ganz schön viele Sympathiepunkte holen können. Selbst »Toñita« stand am Sonntag mit Bad Bunny auf der Bühne.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.