Kein Kerosin in Kuba?
Von Volker Hermsdorf
Zum US-Wirtschaftskrieg gegen Kuba sind weitere Belastungen hinzugekommen. Internationale Fluggesellschaften sollen über einen einmonatigen Stopp der Kerosinlieferungen informiert worden sein, während ein Erdbeben der Stärke 5,6 am Sonntag den Osten der Insel traf. Das Epizentrum lag 24 Kilometer südöstlich von Imías in der Provinz Guantánamo, die Erschütterungen waren bis Santiago de Cuba zu spüren. Nach Angaben der Behörden liegen bislang keine Berichte über Opfer oder größere Schäden vor.
Unterdessen meldeten westliche Agenturen, Havanna habe internationale Fluggesellschaften darüber informiert, dass ab diesem Dienstag für zunächst 30 Tage kein Kerosin mehr bereitgestellt werden könne. Die spanische Agentur Efe verwies auf die Mitteilung »Jet A1 Fuel not avbl« im System der US-Luftfahrtbehörde FAA. Betroffen sind demnach alle neun internationalen Flughäfen der Insel. Ohne Kerosin müssten Airlines zusätzliche Zwischenstopps zum Auftanken in Nachbarstaaten einplanen oder Flüge absagen, was vor allem den ohnehin angeschlagenen Tourismussektor weiter schwächen würde. Die französische Agentur AFP meldete, dass ihr die Fluglinie Air France am Sonntag abend ebenfalls Entsprechendes mitgeteilt habe. Mit der Maßnahme solle sichergestellt werden, dass es weiterhin ausreichend Kraftstoff zur Stromproduktion und Lebensmittelherstellung gibt. Kubanische Stellen bestätigten diese Meldung allerdings bis jW-Redaktionsschluss nicht. Ursache eines möglichen Engpasses wäre die zugespitzte Energiekrise. Nach dem Angriff auf Caracas blockieren die USA Lieferungen aus Venezuela und anderen Ländern, um Kuba komplett von der Treibstoffversorgung abzuschneiden.
Doch die sozialistische Inselrepublik steht nicht allein. Aus Mexiko liefen am Wochenende zwei Marineschiffe mit insgesamt 814 Tonnen Lebensmitteln und Hygieneartikeln aus. Während Europa bislang zu keiner vergleichbaren Initiative bereit ist, sendet die Regierung von Claudia Sheinbaum ein deutliches Signal gegen die US-Blockadepolitik. Auch Russland sagte erneut Unterstützung zu. Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow verurteilte die »erdrückenden« Maßnahmen und bestätigte intensive Gespräche zwischen Moskau und Havanna, um Wege aus der »wirklich kritischen« Lage zu finden.
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