Kampf bei »Naga World« geht weiter
Von Thomas Berger
Unübersehbar thront der »Naga World«-Komplex, das einzige integrierte Resort mit Casinolizenz in Phnom Penh, im südlichen Zentrum der kambodschanischen Hauptstadt. Die Hotelanlage, ebenso wie das benachbarte »Shangri-La« und andere noble Bauten ringsum, sind bereits seit geraumer Zeit der Hinweis darauf, dass in der größten Metropole des südostasiatischen Landes Big Money Einzug gehalten hat. Obgleich Phnom Penh in jüngster Zeit für viele Einwohner unerschwinglich wird, gibt es ausreichend zahlungskräftiges Publikum für solche Stätten. Gleichzeitig ist das riesige Casinohotel zum Inbegriff von Gewerkschaftsfeindlichkeit geworden, mit Kambodschas Regierung und Justiz als willige Erfüllungsgehilfen.
Nur gute 600 Meter entfernt erinnert eine Statue an den im Januar 2004 ermordeten Gewerkschaftsführer Chea Vichea. Doch in der Glitzerwelt von »Naga World« haben verbriefte gewerkschaftliche Rechte keinen Platz. Das musste unter anderem Chhim Sithar bitter erfahren, die Vorsitzende der Gewerkschaft Labour Rights Supported Union of Khmer Employees of Naga World (LRSU). Zwei Jahre hat sie für ihr Engagement im Gefängnis gesessen. Doch sie und weitere Mitstreiterinnen – es ist eine vorwiegend weibliche Belegschaft – geben den Kampf nicht auf. Am 18. Dezember lief ihre Streikaktion bereits vier Jahre. Es geht prinzipiell um gerechte Arbeitsbedingungen und Entlohnung. Nun aber treten die bedingungslose Wiedereinstellung der wegen gewerkschaftlicher Betätigung gefeuerten Kolleginnen und Kollegen sowie eine rückwirkende Entschädigung für alle erlittenen Verdienstausfälle in den Vordergrund.
Mitte Januar traten die LSRU-Chefin und ihr Team mit einer Pressekonferenz erneut an die Öffentlichkeit und wiederholten ihren Appell an die Regierung, endlich eine neutrale Position in dem Konflikt einzunehmen und zwischen der Gewerkschaft und »Naga World« ernsthaft zu vermitteln. Die von der Justiz verhängten Strafen müssten zurückgenommen und alle Negativeinträge der Betroffenen gelöscht werden, so die Forderung. Zugleich gehe es um die grundlegende Anerkennung der Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfes. Die LSRU-Vertreterinnen bezeichneten den prominenten Streitfall als »Test für Kambodschas Bekenntnis zu Gerechtigkeit und Menschenrechten«, wie das Nachrichtenportal Cambojanews schreibt.
Bisher, so die Kritik der Gewerkschaft, habe die Politik für den Casinobetreiber, dessen Muttergesellschaft in Hongkong sitzt, einseitig Partei ergriffen. Sie erkenne die LSRU nicht als legitime Interessenvertreterin an und setze bei vermeintlichen »Vermittlungsansätzen« auf das Prinzip Kompensation statt Rückkehr in den vorherigen Job. Dies wolle man aber nicht hinnehmen. »Das ist die Gerechtigkeit, die wir wollen. Das Unternehmen muss gewerkschaftliche Freiheiten und die Rechte der Beschäftigten am Arbeitsplatz respektieren«, so Chhim Sithar auf der Pressekonferenz.
Mit ihrem Forderungskatalog steht die LSRU nicht allein. Viele sehen in dem Fall eine Vorbildwirkung. 23 Organisationen haben eine gmeinsame Solidaritätsadresse herausgegeben – darunter Einzelgewerkschaften (vor allem aus dem touristischen Bereich), die gewerkschaftlichen Dachverbände Cambodian Alliance of Trade Unions und Cambodian Labour Confederation sowie die Menschenrechtsvereinigungen Cambodian Center for Human Rights, Cambodian League for the Promotion and Defense of Human Rights, Cambodian Human Rights and Development Association und Center for Alliance of Labor and Human Rights. Dass die regierende Kambodschanische Volkspartei ihre einstigen Ideale schon lange über Bord geworfen hat und mit dem Kapital paktiert, bewies nicht zuletzt der brutale Polizeieinsatz gegen die Streikenden 2021 – eine Schwangere erlitt damals eine Fehlgeburt.
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