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Aus: Ausgabe vom 04.02.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf und Aufrüstung

Streik in britischer Rüstungsindustrie

Dreiwöchige Arbeitsniederlegung bei BAE. Gewerkschaft will höhere Löhne, meidet jedoch Klassenfrage
Von Dieter Reinisch
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BAE Systems gehört zu den mit Abstand bedeutendsten Waffenschmieden der Welt

Drei Wochen lang soll beim britischen Rüstungskonzern BAE Systems gestreikt werden. Die Rüstungsausgaben, so verspricht es die britische Regierung, sollen die schwächelnde britische Wirtschaft ankurbeln. Mit dem Versprechen »Rüstung schafft Wohlstand« sollen Arbeiter und Gewerkschaften in ganz Europa – auch in der BRD – auf die Militarisierung eingeschworen werden. Es winkten satte Gehälter und Vollbeschäftigung.

Dass derlei vollmundige Versprechen nicht zutreffen, zeigt der Streik in Großbritannien: Die Arbeiter kämpfen seit Monaten gegen Reallohnverluste. Trotz der enormen Profite sperrt sich die Geschäftsführung von BAE Systems gegen wirkliche Lohnerhöhungen.

BAE Systems ist ein britischer multinationaler Rüstungs-, Informationssicherheits- und Luftfahrtkonzern und war 2021 nach Umsatz der siebtgrößte Rüstungskonzern der Welt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in London und beschäftigt weltweit 82.500 Mitarbeiter. Es entstand Anfang 1999 aus der Fusion von British Aerospace und Marconi Electronic Systems. Der Konzern erzielt nahezu die Hälfte seines Umsatzes in den USA, wobei der Großteil der Einnahmen vom US-Verteidigungsministerium stammt.

Die Beschäftigten der Luftfahrtsparte von BAE Systems in Nordwestengland traten am Montag in den Streik, der bis zum 20. Februar andauern soll. Neben den Löhnen geht es auch um die Arbeitsbedingungen, wie die Gewerkschaft Unite am Montag mitteilte. Die Gewerkschafter erklärten, sie griffen zu den Maßnahmen, weil die Verhandlungen ihrer Ansicht nach unterlaufen worden seien, nachdem ein vorheriger Streik zugunsten von Gesprächen abgesagt worden war. Gemachte Angebote seitens der Geschäftsführung seien in letzter Minute verändert oder ganz zurückgezogen worden.

2025 habe das Unternehmen Lohnerhöhungen von 3,6 Prozent durchgesetzt, obwohl die Beschäftigten mehr gefordert hatten. Diese Erhöhung liegt unter der Inflationsrate, ist also faktisch eine Lohnkürzung. Mehr als 1.200 Beschäftigte haben sich am ersten Tag an den Streiks beteiligt. »BAE Systems sollte sich schämen. Anstatt sich an konstruktiven Gesprächen zu beteiligen, hat das Unternehmen auf unfaire Taktiken gesetzt – ein kläglicher Versuch, die Gewerkschaft zu zerschlagen«, so die Unite-Gewerkschaftssekretärin Sharon Graham.

Ein BAE-Sprecher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, das jüngste Angebot des Unternehmens beinhalte Verbesserungen bei Löhnen und Rentenleistungen. Gleichzeitig werde sichergestellt, dass die Produkte wettbewerbsfähig und für die Kunden erschwinglich bleiben. Man setze weiter auf »eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen unseren Gewerkschaften«.

Mit »partnerschaftlich« wird der Konzern im großen und ganzen nicht falsch liegen. Denn auch die britischen Gewerkschaften sind wahre Standortpatrioten – heißt in diesem Fall: können Krieg und Aufrüstung viel abgewinnen, solange es »ihren« Arbeitern nützt. Graham stand zu Beginn vergangenen Jahres in der Kritik linker und kommunistischer Gruppen, nachdem sie beim britischen Premierminister Keir Starmer förmlich um mehr Investitionen in die Kriegsindustrie gebettelt hatte. So legte sie in einem Gastbeitrag für den Guardian großen Wert darauf, dass das britische Rekordbudget fürs Militär doch bitte in die Erneuerung der »Typhoon«-Kampfjetflotte fließen soll – und damit in die Taschen von BAE, das am Zusammenbau von Kampfflugzeugen ordentlich verdient.

Auch bei den jüngsten Streiks zeigt sich somit, dass es den großen Gewerkschaften des globalen Nordens hauptsächlich darum geht, »sozialpartnerschaftlich« die Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder halbwegs annehmbar zu gestalten – ohne jedoch die Klassenfrage zu stellen. Denn, dass die Arbeiter Englands allzu viel davon haben werden, die militärische Infrastruktur der NATO mit aufzubauen, darf man bezweifeln.

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