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Aus: Ausgabe vom 29.01.2026, Seite 3 / Abgeschrieben

Doomsday Clock: IPPNW fordert Rüstungskontrolle und Abrüstung

«Weltuntergangsuhr» so nah an Mitternacht wie nie zuvor.jpg
»Weltuntergangsuhr« oder »Doomsday Clock« des Bulletin of the Atomic Scientists

Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW forderte am Mittwoch mit Blick auf die Weltuntergangsuhr Rüstungskontrolle und Abrüstung

Vor wenigen Minuten verkündeten die Wissenschafter*innen des Bulletin of Atomic Scientists die aktuelle Uhrzeit auf der Doomsday Clock: Es sind noch 85 Sekunden bis Mitternacht! Damit rückt die Doomsday Clock auch dieses Jahr wieder vor, die Welt steht näher am Abgrund als jemals zuvor. (…)

»Die Doomsday Clock ist eine Warnung an die Menschheit: Wir arbeiten an unserer eigenen Vernichtung durch Atomwaffen, unkontrollierte Technologien und das Ignorieren der Klimakatastrophe. Wir haben aber auch die Möglichkeit, die Uhrzeiger zurückzudrehen!«, so Dr. med. Lars Pohlmeier, Kovorsitzender der deutschen IPPNW-Sektion.

Am 5. Februar läuft der letzte große Rüstungskontrollvertrag zwischen den USA und Russland aus: New Start. Er begrenzt die Anzahl der einsatzbereiten strategischen Atomsprengköpfe beider Staaten auf maximal 1.550 Stück, auch die Zahl der einsatzbereiten Träger- und Startsysteme ist limitiert. Ohne New Start können die USA und Russland ungebremst nuklear aufrüsten. Bereits jetzt modernisieren alle Atomwaffenstaaten ihre Arsenale oder bauen sie sogar aus.

»Das Ende des New-Start-Vertrags droht die Welt in eine neue nukleare Rüstungsspirale zu stoßen. Die Doomsday Clock gibt uns bereits jetzt nur noch 85 Sekunden bis zum Weltuntergang. Ohne Anschlussregelungen zum New Start wird sich diese Zeit weiter verkürzen und die Welt noch unsicherer«, mahnt Pohlmeier. Die IPPNW fordert mit Blick auf die Doomsday Clock und das nahende Ende des New-START-Vertrags mehr Engagement für nukleare Rüstungskontrolle und Abrüstung. (…)

Der Rechtshilfefonds für Kurden in Deutschland Azadi informierte am Dienstag über eine Verurteilung einer kurdischen Aktivistin wegen PKK-Mitgliedschaft zu einer Bewährungsstrafe:

Das Oberlandesgericht München hat am heutigen Dienstag, dem 27. Januar 2026, eine kurdische Aktivistin wegen Mitgliedschaft in der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, der Haftbefehl aufgehoben und die Verurteilte aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der 8. Strafsenat (Staatsschutzsenat) sah es als erwiesen an, dass die 64jährige als Mitglied der PKK im Zeitraum von 2020 bis zu ihrer Festnahme Anfang Februar 2025 als sogenannte Frontarbeiterin der Organisation für das Gebiet Nürnberg verantwortlich gewesen war. (…)

In seiner mündlichen Urteilsbegründung ging der Vorsitzende Richter auf sein persönliches Störgefühl bei der Verurteilung der Kurdin ein. Zum einen würden seit Jahren kurdische Aktivist:innen als »Terroristen« verfolgt, während der Senat sonst gegen Mitglieder des Islamischen Staats und ähnlicher Gruppen verhandle und dabei ganz andere Taten verhandelt würden. Zum anderen sei die Motivation kurdischer Angeklagter durchaus nachvollziehbar.

Die kurdische Aktivistin war am 4. Februar 2025 in ihrer Wohnung in Nürnberg festgenommen und in Untersuchungshaft genommen worden, zunächst in München, dann in Würzburg und zuletzt in Aichach. (…)

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  • Leserbrief von Gregor Putensen (2. Februar 2026 um 10:49 Uhr)
    Gleichgültigkeit oder Fatalismus mit Endzeitdrohung: Während man sich nicht nur in westdeutschen Bundesländern mit einer der weltpolitischen Lage eigentlich unangemessenen Aktivität auf den üblichen Jahreskarneval fokussiert, läuft am 5. Februar ein mehr als gravierendes Abkommen für die Existenz der Menschheit beinahe sang- und klanglos aus. Gemeint ist der letzte Vertrag einer von den USA aufgekündigten Serie von Abkommen mit Russland über die Begrenzung von Atomwaffen und deren Kontrolle durch entsprechende vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den beiden Supermächten. Das Auslaufen des New-Start-Vertrags, der eine Begrenzung der größten Waffengattung an nuklearen Trägersystemen (jeweils 800 und 1550 an atomaren Sprengköpfen) umfasste und auf Grund ihres riesigen strategischen Zerstörungspotenzials von Wissenschaftlern beider Seiten als »Doomsday«-Waffen (d. h. als Waffen »des letzten Gerichts«) eingeschätzt, findet bei uns in Politik und Medien kaum Erwähnung. Geschweige denn irgend eine öffentliche Bekundung regierungsoffizieller Besorgnis.
    Es mag ja sein, dass der für gewöhnlich als skrupelloser Machthaber verschriene russische Präsident Putin in dem Fall New-Start-Abkommen hier wohl auch ein grundlegendes Interesse des ansonsten russophoben Westens anspricht, wenn er den USA wiederholt seit etwa einem Jahr die Verlängerung dieses Vertrages vorschlägt, um ihn danach in Verhandlungen den heutigen militärtechnischen Realitäten in anpassen zu können. Die Reaktion des amerikanischen Immobilien-Präsidenten (bezeugt aus dem Dunstkreis seiner Berater): »Wenn er ausläuft, dann läuft er eben aus« führt vor Augen, welche bedrohlichen sicherheits- und letztlich überlebenspolitischen Konsequenzen sich aus der Trumpschen Machthaber-Perspektive für den Westen und den »Rest« der Welt ergeben könnten. Die Völker der Erde werden von ihren jeweiligen Machthabern in der Regel nur zu gerne im Unklaren gelassen, wohin die Schicksalsreise von Krieg und Frieden gehen soll. Auch die Entschlossenheit des Bundeskanzlers Merz in seiner jüngsten Regierungserklärung, dass nunmehr »die Sprache der Machtpolitik« gelernt werden müsse, signalisiert nicht nur den »bösen« Machthabern jenseits der EU, sondern auch den EU-Europäern selbst, wer sie als ein »guter«, der Demokratie verpflichteter Machthaber unter Führung Deutschlands an die Kandare nehmen wird. Von atomarer Rüstungskontrolle oder gar Abrüstung – ob im strategischen oder taktischen Bereich – werden keine europäischen Impulse an die Adresse der beiden Supermächte zu erwarten sein. Mit Blick auf die beabsichtigte Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in diesem Jahr in Deutschland eher das fatale Gegenteil.

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