Gemischte Gefühle
Von Gabriele Damtew
Beinahe ehrfurchtsvoll hatten Jünger des ehemaligen Aue-Trainers Pavel Dotchev dessen Initialen groß vor seiner Trainerbank aufgemalt, mit Kreide. Also nichts für die Ewigkeit? Weit gefehlt. Denn obwohl »PD« schon seit Ende 2024 nicht mehr die Geschicke des Vereins aus dem Erzgebirge lenkt, bleiben zumindest seine Taten auf ewig in dessen Annalen und in den Herzen der Fans. Zu drei verschiedenen Amtszeiten prägte der umtriebige und dienstälteste Trainer der dritten Liga ever den kleinen »Kumpelverein«, führte ihn 2016 sogar in die zweite Bundesliga. Nach seiner Freistellung bei Aue wähnte man den beredten Bulgaren, der seit Anfang der 1990er in Deutschland lebt, schon in der wohlverdienten Rente. Nichts da. Nach knapp einem Jahr Pause stand er plötzlich Mitte November für den SSV Ulm an der Seitenlinie, der nach nur einer Saison in der zweiten Liga einen schlimmen Absturz in der dritten hingelegt hatte.
»Mit gemischten Gefühlen« nun also zum ersten Mal zurück im Erzgebirgsstadion, als Gästetrainer zum Duell zwischen oberem und unterem Tabellenende. Wie immer mit einem Spruch auf den Lippen. Aue habe die Fähigkeit, »richtungsweisende Spiele in die richtige Richtung zu drehen«, so Dotchev kurz vor Anpfiff. Genausogut hätte er sagen können: Wir brechen euch richtig die Beine, auch wenn es mir richtig das Herz bricht. Denn Ulm muss unbedingt raus aus dem Keller. Sechs Punkte fehlen derzeit bis zum Klassenerhalt, dorthin, wo Aue seit der Winterpause steht.
Die »Veilchen« legten offensiv los, und Ulm verteidigte entsprechend beinhart, der erste Aue-Stürmer musste schon nach zwölf Minuten vom Platz. So wogte das Spiel in eine Richtung: Der Gastgeber sammelte Großchancen wie die Gäste gelbe Kartons; nur zweimal konterten letztere gefährlich. Nach der Pause fielen klug herausgespielte drei Tore – für Ulm. Immer dabei: Mirnes Pepić, Dotchevs Spezi aus früheren Tagen bei Aue, den er sofort nach Ulm geholt hatte. Pepić als Vorbereiter beim ersten Tor, unter Beihilfe von Aues Torhüter Louis Lord (Stammkeeper Martin Männel saß auf der Bank), dann als souveräner Vollstrecker zum 2:0. Aues Haudegen Ryan Malone war das wohl too much, denn seine Sohle rauschte in die Beine von Pepic, glatt Rot. Die Gegenwehr war daraufhin erloschen, das dritte Tor nur noch Formalität. Dotchev jubelte kein einziges Mal. Die zwei Busladungen »Spatzen«-Fans, die den weiten Weg von der Donau zur Mulde nicht gescheut hatten, kamen aus dem Feiern gar nicht mehr raus, so waren sie eingezäunt. Aue hat noch drei Punkte Vorsprung auf Ulm, rutscht aber wieder in die falsche Richtung ab.
An der Tabellenspitze bringen sich weitere Kandidaten ins Gespräch. Rot-Weiss Essen tat sich gegen Kellerkind Havelse leicht (4:1), und Hansa Rostock lieferte auch in Mannheim ab (4:0), beide etablieren sich als punktgleiche Verfolger. Davor der Tabellenführer der Vorwoche, SC Verl, der in Wiesbaden verlor. Ganz oben Duisburg und Cottbus, die sich nach Siegen weiter um den ersten Platz streiten.
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