Organisierte Bäuerinnen
Von Gudrun Giese
Frauen fahren Mähdrescher, Frauen treiben Kühe auf die Alm, Frauen verarbeiten Feldfrüchte. Das alles ist nicht neu. Neu ist, dass sich weibliche Beschäftigte rund um die Landwirtschaft zusammentun und für ihre Rechte streiten. Anlass dafür ist das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft, das 2026 zum ersten Mal stattfindet.
In Deutschland haben sich verschiedene Organisationen, von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft über Bioverbände und katholische Vereine bis hin zur Gewerkschaft IG BAU, zu einem Verbändebündnis zusammengeschlossen, das die »gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in ihrer ganzen Vielfalt in allen Bereichen der Landwirtschaft« fordert. Tatsächlich ist die Branche – insbesondere die selbständig betriebenen Höfe – fest in männlicher Hand, nämlich zu nahezu 90 Prozent.
Zugleich tragen Frauen große Teile der Arbeit, wie das Bündnis in seiner gemeinsamen Erklärung schreibt. Doch obwohl sie »elementare Aufgaben übernehmen, von Buchhaltung bis zu vielfältiger Hofarbeit, bleiben ihre Leistungen häufig unsichtbar« und würden kaum anerkannt. Die »rechtliche Beteiligung von Frauen an Betrieben ist noch längst nicht selbstverständlich«, lautet die Hauptkritik. Denn oft wirft ein kleinerer Bauernhof nicht genug Umsatz ab, um zwei Partner gleichgestellt arbeiten zu lassen. Die Konsequenz sei häufig, berichtete Stephanie Strotdrees vom »Biofrauennetzwerk« am Sonnabend im jW-Interview, dass »die Frau meist auf Minijobbasis angestellt« sei. Statt dessen sollte es für ein Paar möglich sein, sich gleichberechtigt und sozialversichert zu betätigen.
Die Mehrheit der im Agrarsektor arbeitenden Frauen ist abhängig beschäftigt. »Fast 60 Prozent der Frauen, die in der Landwirtschaft tätig sind, sind Arbeitnehmerinnen«, weiß Dagmar Heyens, selbst als Industriefachwirtin in einem großen Putenvermehrungsbetrieb angestellt und stellvertretende Bundesfachgruppenvorsitzende Landwirtschaft in der IG BAU. Damit spielten Frauen eine wichtige Rolle in der Lebensmittelerzeugung, in der Gestaltung ländlicher Räume und im betrieblichen Alltag. »Unsere Forderungen zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft sind klar: Lohngerechtigkeit verankern – unabhängig von Geschlecht und Herkunft –, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen gewährleisten, soziale Absicherung garantieren.« Dabei gehe es weiblichen abhängig Beschäftigten in mancher Hinsicht besser als Selbständigen. »Für uns gelten Tarifverträge, Mutterschutz ist selbstverständlich, und in dem Betrieb, in dem ich arbeite, ist gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit obligatorisch«, sagt sie gegenüber jW. Etwa 45 Prozent beträgt der Frauenanteil bei Kartzfehn, dem europaweit größten unabhängigen Putenvermehrungsbetrieb mit Niederlassungen in Niedersachsen und Brandenburg. Dass hier gleiche Bedingungen und Tarife gelten, sei auch der Gewerkschaft zu verdanken, die für alle Beschäftigten gleichermaßen gekämpft habe.
Für selbständige Landwirtinnen bleibt es schwieriger, den Schulterschluss mit Kolleginnen hinzubekommen. Das Verbändebündnis soll so auch der besseren Vernetzung dienen. »Angesichts weltweiter Rückschritte bei Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ist Solidarität wichtiger denn je«, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Bereits im vergangenen Sommer rief der Deutsche Landfrauenverband (DLV) zur Beteiligung am Aktionsjahr 2026 auf, »um die Sichtbarkeit von Frauen und deren Leistungen in der Landwirtschaft zu erhöhen«. Immerhin leisteten Frauen global rund 39 Prozent der Arbeit im Agrar- und Ernährungssektor. Trotz dieser wichtigen Rolle blieben ihre Anliegen in politischen Debatten oft unberücksichtigt. »Es geht nicht nur um den gleichberechtigten Zugang zu Land und Ressourcen«, so DLV-Präsidentin Petra Bentkämper. »Wir müssen Diskriminierung abbauen, lokale Frauengruppen stärken und die Anerkennung fördern, dass ohne Frauen eine nachhaltige Ernährungssicherung weder regional noch global erreicht werden kann.«
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