Intrigantin des Tages: Wiktorija Swaritsch
Von Reinhard Lauterbach
Dass der Krieg die charakterlich besten Seiten des Menschen freisetze, ist eine der beliebtesten Lügen seiner Propagandisten. Sicher ist dagegen, dass er auch die miesesten Eigenschaften mobilisiert, zumal in einer durch heftige Konkurrenz geprägten Umgebung wie dem Kulturbetrieb.
So wurde jetzt aus Kiew bekannt, dass zwei – notabene durch den »prowestlichen« Staatspräsidenten Wiktor Juschtschenko – als »verdiente Künstler der Ukraine« ausgezeichnete Stars des ukrainischen Nationalballetts, darunter die Primaballerina Natalija Mazak, der Rauswurf aus dem Ensemble drohe. Wofür? Eine Kollegin namens Wiktorija Swaritsch hatte die beiden auf ihrer Webseite dafür denunziert, dass sie bei einer Konzertreise während eines genehmigten und unbezahlten Urlaubs im westlichen Ausland in Peter Tschaikowskis »Schwanensee« aufgetreten waren. Also in einem »Symbol der imperialen russischen Kulturmaschine, einem kulturellen Produkt des Aggressors« – und das »zu einer Zeit, in der die Ukraine ihre schwersten Momente durchmacht«.
Über die künstlerischen Leistungen der Dramatis personae zu urteilen, ist hier nicht der Ort. Aber auf die kommt es auch nicht mehr an in einem Land, dessen Kulturministerium auf die Publikation von Swaritsch nicht mit der Aufforderung antwortet, die Dame möge an ihrem Pas de deux arbeiten, sondern mit der Ankündigung, die Entlassung zu »prüfen«. Denn soviel ist klar in der heutigen Ukraine: Ballerinen müssen heute nicht tanzen können, sondern politisch zuverlässig sein.
Und dass dann am Ende eine begehrte Primaballerinenstelle frei wird, wenn die Denunziation Erfolg hat? Swaritsch ist ihrem Account auf Instagram zufolge mit 32 Jahren elf Jahre jünger als die Denunzierte. Wer im Ballett bis 30 nichts geworden ist – Mazak war 17, als sie ins Ensemble aufgenommen wurde –, wird auch nichts mehr. Es sei denn, sie hilft nach.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (22. Januar 2026 um 22:18 Uhr)Aber war es nicht Herr Juschtschenko, der sich für die Tilgung der russischen Sprache aus dem Alltag der Ukrainischen ins Zeug warf? Im Jahre 2007 wohl besonders deutlich? Dieser Tschaikowski mit seinem Weltrang war ja unbestritten ein schlimmer Finger. Doch »Schwanensee« gerät eindeutig ins Hintertreffen, wenn wir an »Peter und der Wolf« denken! Dieser Prokofjew provoziert doch bis zum heutigen Tage die gesamte demokratische Weltöffentlichkeit allein dadurch, dass er sich herausnahm, zum selben Datum aus dem Leben zu scheiden wie dieser Josef Stalin! Unerhört! Hassenswert! – Wie steht es eigentlich um den Chemieunterricht/das Chemiestudium in der Ukraine? Im Periodensystem der Elemente des Dmitri Mendelejew von 1869 manifestiert sich doch auch beinahe 157 Jahre später der tradierte imperiale Anspruch Russlands auf unumschränkte Vorherrschaft in sämtlichen Bereichen der Wissenschaft! Wer will heute noch daran zweifeln? Darum sollte das vom Obersten Sowjet in Kiew (= Werchowna Rada) in Kürze zu erwartende landesweite Verbot des Russen-PSE zügig weltweit umgesetzt werden. Denn im elementaren Inhalt manifestiert sich das Kremlsupermachtgebaren: beginnend mit Element 44: Ruthenium! Welch eine Anmaßung! Insgesamt handelt es sich um sieben chemische Elemente mit direktem Bezug zu Russland: 44, 62, 101, 105, 114, 115 und 118. Sie gehören auf die globale Sanktionsliste; ihre Existenz wird ausgesetzt. - War dieser Chagall eigentlich auch Russe und kann weg wie jener Kandinski?
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