Malaysias Ambitionen mit seltenen Erden
Von Thomas Berger
Malaysia sitzt auf einem riesigen Rohstoffschatz: Es handelt sich um (nach bisherigem Erkenntnisstand) rund 16 Millionen Tonnen seltene Erden, die vorrangig im südlichen Bereich der langgezogenen Halbinsel Malakka im Süden des Landes lagern – unter Gebirgszügen und zum Teil geschützten Regenwaldgebieten. Dieses Vorkommen auszubeuten, wie es die Regierung in Kuala Lumpur plant, ist aber nicht nur in Hinsicht auf den Umweltschutz riskant. Malaysia will nicht nur auf die Ausfuhr setzen, sondern die wertvollen Mineralien selbst weiterverarbeiten. Für den Aufbau einer solchen Wertschöpfungskette, so sind sich Fachleute einig, bräuchte das Land jedoch eine spezifische und teure Technologie, über die einheimische Akteure bislang nur höchst eingeschränkt verfügen.
So selten sind die seltenen Erden eigentlich nicht, nur ist die Verteilung auf dem Globus deutlich ungleicher als bei anderen Ressourcen. Die größten Vorkommen gibt es in China. Bei der Förderung hat die Volksrepublik mit einem Marktanteil von rund 85 Prozent beinahe eine Monopolstellung. Im aktuellen Handelskrieg spielt die Frage der Diversifizierung der Lieferketten bei den kritischen Rohstoffen daher eine entscheidende Rolle.
Malaysia hofft, hier eine Marktlücke zu füllen, in der es sich als alternativer Handelspartner etablieren könnte. Bislang ist es ein einziges Unternehmen, MCRE Resources, das seit 2022 im Bundesstaat Perak in sehr bescheidenem Umfang seltene Erden fördert – gerade 2.000 Tonnen jährlich. Die Pläne von Regierungsseite sehen vor, schon bis 2030 auf insgesamt 30.000 Tonnen zu kommen. MCRE, mit der China Rare Earth Corporation verbandelt, liefert das teilweise schon aufbereitete Material bislang ausschließlich nach China. Daneben gibt es eine Aufbereitungsanlage von Lynas Rare Earths, die als die größte ihrer Art weltweit gilt. Dort werden aber nicht einheimische seltene Erden, sondern vorrangig aus Australien stammende Importe verarbeitet. Lynas hat aktuell eine auf drei Jahre befristete Tätigkeitslizenz, die der Konzern gern auf 15 Jahre verlängern würde. Außerdem sollen die Produktionskapazitäten ausgebaut werden. Das scheint aus Expertensicht auch der schnellste Weg zu sein, beim Ausbau des noch überschaubaren Sektors Fortschritte zu erzielen.
Das Projekt der Schaffung einer »nachhaltigen« Branche im Land ist aber dennoch mit einigen Fragezeichen versehen. So musste MCRE ab 20. November temporär den Betrieb einstellen – eine behördliche Auflage, nachdem sich ein nahegelegener Fluss blau eingefärbt hatte. Der Verdacht auf eine Verunreinigung durch Bergbauchemikalien liegt nahe; der Konzern arbeitet mit einer Methode, bei der die begehrten Rohstoffe chemisch aus dem Lehmboden gelöst werden. Dieses Verfahren gilt sogar als deutlich umweltschonender als der »klassische« Bergbau. Doch selbst, wenn sich der Verdacht als falsch herausstellen sollte, illustriert der Vorfall doch die Sorgen um Umwelt und den Trinkwasserschutz bei den Bewohnern der Region.
Gleichwohl möchte Malaysia im längst begonnenen großen Spiel um globale Marktanteile mitspielen. Seltene Erden, darunter als wohl bekannteste Neodym, Ytterbium, Terbium und Cer, sind vielfältig einsetzbar. Das reicht von Katalysatoren bis zu Hochleistungsmagneten, von Leuchtmitteln über die Lasertechnik bis zu medizinischen Anwendungen, zum Beispiel bei Kontrastmitteln in der Strahlenmedizin. Noch ist unklar, welches Stück vom Kuchen sich Malaysia mittelfristig sichern kann – und vor allem: zu welchem Preis. Die Rede ist von 747,2 Milliarden Ringgit (umgerechnet gut 160 Milliarden Euro), die sich mit den Vorkommen im Land erzielen lassen könnten.
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