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Aus: Ausgabe vom 09.01.2026, Seite 16 / Sport
Fußball

Riecht nach Schiebung

Fußball: Der Afrika-Cup geht ins Viertelfinale. Weitergekommen sind bisher vor allem die üblichen Verdächtigen
Von Jörg Tiedjen
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Die »Pharaonen« vom Nil jubelten über ihr 3:1-Feuerwerk gegen Benin im Achtelfinale (Agadir, 5.1.2026)

Zum Jahreswechsel ruht hierzulande der Fußball. Aber nicht in Marokko. Dort wird seit Mitte Dezember der Afrika-Cup der Herren ausgespielt. Diesen Freitag geht das Kontinentalturnier der Nationalmannschaften ins Viertelfinale, das offiziell Africa Cup of Nations bzw. Coupe d’Afrique des Nations heißt und, anders als die Europameisterschaft, in der Regel alle zwei Jahre ausgetragen wird. Von 24 Mannschaften sind nach der ersten K.-o.-Runde vor allem Favoriten wie Titelverteidiger Côte d’Ivoire, Rekordmeister Ägypten oder das Gastland übriggeblieben, das in den vergangenen Jahren einen wahren Höhenflug im internationalen Fußball hingelegt hat. Für das nordafrikanische Königreich ist der »Afcon 2025« ein Prestigeunternehmen, ein Test für die FIFA-Weltmeisterschaft 2030, die es gemeinsam mit Portugal und Spanien ausrichtet.

Starke Mannschaften wie Südafrika haben es nicht weiter geschafft. Dafür Mali. Danach hatte es im Achtelfinale zunächst nicht ausgesehen. Erst kurz vor Ende der Nachspielzeit konnten die »Adler« am vergangenen Wochenende noch den Ausgleich zum 1:1 gegen Tunesien erzielen und rutschten in die Verlängerung. Die spielerisch überlegenen Nordafrikaner mussten sich schließlich im Elfmeterschießen geschlagen geben. Denn Malis Torwart Djigui Diarra gelang es, gleich zwei Schüsse abzuwehren. Darauf versenkte der Ex-Stuttgarter El Bilal Touré den Ball zum Siegtreffer im Netz.

Mit dem Spiel Mali gegen Senegal beginnt am Freitag die Viertelfinalrunde. Das senegalesische Team zeigt sich bislang kampfstark. Nur gegen die Demokratische Republik (DR) Kongo reichte es in der Gruppenphase lediglich zu einem 1:1-Gleichstand. Am Freitag abend muss sich dann Marokko mit Kamerun messen, das im Achtelfinale Südafrika mit 2:1 bezwang. Der vielgelobte Gastgeber mit »Söldnern« wie Achraf Hakimi von Paris Saint-Germain hat eine eher durchwachsene Gruppenphase absolviert. Im Achtelfinale war es dann eine klare Fehlentscheidung des malischen Schiedsrichters Boubou Traoré, die ihm das Weiterkommen bescherte, als Verteidiger Adam Masina den heranstürmenden Tansanier Iddy Nado im Strafraum niederstreckte. Traoré hielt es nicht einmal für notwendig, die Videoaufzeichnung zu überprüfen. Es roch nach Schiebung.

Am Sonnabend folgen dann die Begegnungen zwischen Algerien und Nigeria, die bisher alle Spiele gewonnen haben, und zwischen Ägypten und Côte d’Ivoire. Im Achtelfinale hatte der gerade eingewechselte Algerier Adil Boulbina in der vorletzten Minute der Verlängerung zum 1:0 gegen die gleichstark aufspielende Elf aus der DR Kongo getroffen. Die Abschlüsse der »Fenneks« hatten es zuvor erheblich an Gefährlichkeit vermissen lassen. Die überragenden Ivorer wiederum konnten sich bisher lediglich in einem Spiel nicht durchsetzen: in der Vorrunde gegen Kamerun, die Partie ging 1:1 aus. Zuletzt spielte das Team im Achtelfinale Burkina Faso mit 3:0 an die Wand. Die Elf vom Nil dürfte gegen die »Elefanten« einen schweren Stand haben.

Das Match zwischen Côte d’Ivoire und Burkina Faso hatte einen unheimlichen Hintergrund. Zuvor war von einem Putschversuch in Ouagadougou berichtet worden. Es war unklar, was passierte. Es gab noch keine offizielle Stellungnahme. Hatte das mit dem bevorstehenden Spiel zu tun? Tatsächlich: Kaum war es vorbei, wurde berichtet, dass ein Mordanschlag auf den burkinischen Präsidenten Ibrahim Traoré vereitelt worden sei – und die Putschisten angeblich Unterstützung aus Côte d’Ivoire gehabt hätten, einem engen Verbündeten der alten Kolonialmacht Frankreich, deren Truppen Traoré aus dem Land geworfen hatte.

Überhaupt spielt beim Afrika-Cup die Politik mit. Gerade dieses Jahr, in dem Marokko ihm einen besonders aufwendigen Rahmen gibt. Das als größtes Stadion der Welt geplante Grand Stade Hassan II in Casablanca ist zwar nicht rechtzeitig fertig geworden. Doch auch sonst wurden Spielstätten neu gebaut oder renoviert. Marokko sucht das Rampenlicht – und erntet Kritik. Nicht nur von der eigenen Bevölkerung, die im Herbst revoltierte und ein besseres Gesundheits- und Bildungswesen forderte statt verschwenderischer Spektakel wie den »Afcon« oder die WM. Es gab auch einen Boykottaufruf der Bewegung »Gen Z 212«, der mit brutalen Repressionen begegnet wurde.

Tatsächlich blieben in der Gruppenphase Stadien leer. Ungewöhnlich für das in Afrika sehr beliebte Turnier. Anschließend wurden die Ränge angeblich auch mit Hilfe von Freikarten gefüllt. Unangenehm fielen nationalistische Kundgebungen gegen Algerien auf. Die kongolesische Fangemeinde wurde vor einem Spiel ihrer Mannschaft gegen die »Wüstenfüchse« mit Bauchtänzerinnen in Stimmung gebracht, wie Videos im Internet zur allgemeinen Belustigung dokumentieren. Anderes stößt saurer auf. War der Schiedsrichter bestochen, der Tansania im Achtelfinale einen Strafstoß gegen Marokko verweigerte? Mehrfach schon war zuvor für die »Atlaslöwen« entschieden worden: ein Elfer, der keiner war, gegen die Komoren, ein nicht gegebener Strafstoß für Mali, ein übersehenes, grobes Foul. Hinzu kommen Berichte, nach denen schon die Auslosung der Gruppenspiele so manipuliert gewesen sein soll, dass die Heimelf wenigstens ins Viertelfinale gelangt. Im Netz ist die Rede von der bisher größten »Verschwörungserzählung«, die sich um einen Afrika-Cup spinnt. Spötter könnten einwenden: Willkommen im FIFA-Normalbetrieb.

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