Multipolarier des Tages: Herfried Münkler
Von Felix Bartels
Wenn Mac auf Mont trifft. In dieser Formel geht der Diskurs dieser Tage auf. Die Ebene der internationalen Beziehungen betreffend. Als sei Joly der Unterwelt entstiegen, prallt »Macht vor Recht« auf »Recht vor Macht«. Während die einen angesichts der Entführung Maduros das Völkerrecht anrufen, rekurrieren die anderen auf die reale Dynamik globaler Konflikte. Viele der letzteren allerdings haben im Februar 2022 noch, als es konvenierte nämlich, Russlands Bruch des Völkerrechts herausgestellt. Erst an Trump wurden sie zu Realisten.
Anders Herfried Münkler. Als Fachmann für Hegel, Hobbes und Machiavelli pflog er seit je ein dekonstruktives Verhältnis zum Völkerrecht. Als er am Mittwoch im ORF konstatierte, dem Völkerrecht fehle der »Hüter«, die Regeln durchzusetzen, tat er das nicht zum ersten Mal. Kein Frischgewendeter, einer eher, der ein lang erwartetes Momentum nutzt. Es sei »keine freundliche Weltordnung«, die da auf uns zukomme. War sie je freundlich? Unfreundlicher jedenfalls wird sie. Die Kritik an den Rechtsprimaten erinnert durchaus an Lenins Polemik gegen Kautskys Ultraimperialismus. Mit dem Unterschied, dass Münkler das Ganze, das er wie Lenin als Chaos beschreibt, doch irgendwie affirmiert. In einer Ordnung der Unordnung, dem Übergang atomisierter in organisierte Kriminalität. Frieden soll nicht aus Gesetz wachsen, sondern aus Macht. Der Rat der großen Familien in Coppolas »Godfather« kann als Folie dienen. Folgerichtig daher Münklers Vorschlag einer Fünf-Mächte-Ordnung, bestehend aus China, Russland, Indien, der EU und den USA, die als Brothers in Crime über das Schicksal der restlichen Staaten entscheiden.
Realismus wird von Opportunismus durchkreuzt. Münkler will nicht bloß Politologe, er will Politikberater sein, am Tisch der großen Familien wenigstens im Geiste etwas mitsitzen.
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