Rassemblement Capitaliste
Die Parteispitze des französischen Rassemblement National (RN) um den Vorsitzenden Jordan Bardella und Marine Le Pen intensiviert offenbar ihr Buhlen um Förderer aus den Reihen der größten Unternehmen des Landes sowie um die Gunst internationaler Geldgeber. Ein hochrangiges Vorstandsmitglied aus einem der Top-40-CAC-Unternehmen bezeichnete es als »Pflicht«, Einfluss auf eine politische Kraft zu nehmen, die in den Meinungsumfragen führend ist, wie die Financial Times am Montag online berichtete. Bei Geschäftsessen in Paris werde die Rechtsaußenpartei nun von der Kapitalseite, die sie zu einer liberaleren Wirtschaftspolitik bewegen möchte, weitaus ernster genommen. Der CAC 40 ist ein Aktienindex, der die 40 umsatzstärksten Unternehmen Frankreichs versammelt.
Dem Radiosender France Inter habe der Chef des Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns Airbus, Guillaume Faury, im Dezember gesagt, dass der RN eine »politische Kraft« sei, die in Frankreich eine Rolle spiele. »Es sind nicht wir, die die Parteien auswählen, die mächtig sind und Einfluss haben«, sagte Faury demnach. Das hochrangige Vorstandsmitglied bezeichnete dem Bericht zufolge die Partei als »legitim« und verwies demnach auf ihre führende Rolle in mehreren Parlamentsausschüssen. »Ob man sie nun mag oder nicht, es lohnt sich, mit ihnen zu verhandeln, um sicherzustellen, dass sie vernünftig handeln«, hieß es weiter. In »wirtschaftlichen Fragen« sei der RN jedoch »völlig inkonsequent«.
Der seit November 2022 amtierende Vorsitzende des Rassemblement National hatte sich zuletzt nicht nur mit dem Chef der britischen Rechtsaußenpartei »Reform UK«, Nigel Farage, getroffen, sondern laut Financial Times auch mit einer Gruppe britischer Hedgefondskapitalisten und Vermögensverwalter. Jenes Treffen in Paris habe mit Vertretern der Unternehmen T. Rowe Price, Rokos Capital, Man Group und M&G Investments stattgefunden. Dabei sei das wirtschaftliche Programm des RN besprochen worden mit dem Ziel, Inhaber französischer Vermögenswerte und Verbindlichkeiten (»Assets and Debt«) hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Position der Partei rückzuversichern. Dies habe eine mit dem Treffen vertraute Person dem Blatt gesagt. Dass es stattgefunden hatte, habe ein RN-Sprecher gegenüber der Financial Times bestätigt.
Zu den Verbündeten von Bardellas und Le Pens Partei zähle François Durvye, Geschäftsführer des Pariser Investmentfonds Otium Capital. Durvye organisierte dem Bericht zufolge seit 2021 die Treffen zwischen den beiden und führenden Vertretern der Kapitalseite. Gegenüber Financial Times sagte er, ihn motiviere die Überzeugung, dass es zuwenig Austausch zwischen dieser »politischen Familie und der Wirtschaftswelt« gegeben habe. »Damit sich diese beiden Gruppen gegenseitig verstehen, müssen sie sich treffen.«
Durvye zufolge versuche eine neue Welle »realistischer« Geschäftsleute, den Rassemblement besser zu verstehen, da die Wahrscheinlichkeit einer Regierungsbeteiligung durch den RN steige. Viele Chefs von CAC-40-Unternehmen hätten sich mit der Parteiführung getroffen, fügte Durvye demnach hinzu. (jW)
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vom 07.01.2026