Was bedeutet die Schließung für die Region?
Interview: Gitta Düperthal
Etwa 250 der 700 Beschäftigten der Klinik im schleswig-holsteinischen Geesthacht erhielten zum Jahreswechsel die Kündigung. Die Gewerkschaft Verdi hatte noch im Dezember dagegen demonstriert und sich für den Erhalt des Krankenhauses eingesetzt. Ist der Kampf jetzt verloren?
Das Krankenhaus besteht weiter. Wir haben den Kampf insgesamt nicht aufgegeben und unterstützen die betroffenen Kolleginnen und Kollegen. Verdi setzt sich für den Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes ein. Wir können aber grundsätzlich wenig machen, weil die Entscheidung des Gläubigerausschusses rechtsbindend ist: Dieser hatte den Zuschlag für die Klinik nicht der Stadt Geesthacht gegeben, sondern der CTP-Gruppe des Reeders und Logistikunternehmers Thomas Pötzsch. Er aber plant nun, mehrere Abteilungen bis März zu schließen, darunter die Gynäkologie, Geburtshilfe und Zentrale Notaufnahme. Wir sind weiterhin überzeugt: Wir brauchen die gesamte medizinische Versorgung des Krankenhauses für die Menschen in Geesthacht und im Kreis Herzogtum Lauenburg.
Warum wurde aus dem Übernahmeangebot der Stadt nichts?
Die Privatisierung hat im Fall der Klinik Geschichte. Das einst kommunale Krankenhaus wurde 1982 an »Die Johanniter« verkauft. Bezeichnend ist, was nun daraus wird. Im Juli 2025 übernahm die CTP, um die Klinik vermeintlich zu retten. Nur drei Monate später, im Oktober 2025, meldete Pötzsch für die Einrichtung Insolvenz an. Nun will er sogar die mehrfach ausgezeichnete Geburtshilfe schließen.
Was bedeuten diese Schließungen für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen sowie für die Bevölkerung in der Region?
Besonders hanebüchen ist es, Gynäkologie und Geburtshilfe zu schließen. Damit hatte sich das Krankenhaus identifiziert. Es gibt nichts Wichtigeres, als neues Leben auf die Welt zu bringen. Ständig wird über die sinkende Geburtsrate in Deutschland gejammert: Genau die ist aber Folge solch verfehlter Politik. Und wenn jetzt die Unfallchirurgie schließt, heißt das: Stürzt eine ältere Frau und bricht sich den Schenkelhals, muss sie nun etwa erst nach Hamburg gefahren werden.
Laut Krankenhausgesellschaft seien Kliniken in Reinbek, Ratzeburg, Hamburg und Lüneburg in der Lage, zusätzliche Patienten zu versorgen.
Ärzte sprechen von einer Unterversorgung in der Region. Reinbek, etwa 20 Kilometer entfernt, ist eine kleinere Klinik mit wenig Kapazitäten; andere sind teils weiter entfernt. Das Problem ist doch: Ein privater Unternehmer übernimmt die Klinik und schließt die Notfallambulanz, weil sie nicht lukrativ ist. Den Ausfall muss der kommunale Rettungsdienst ausgleichen: mit mehr Notfallautos und Personal. Am Ende muss all das also die Gemeinschaft tragen, finanziert durch die öffentliche Hand.
Die Geriatrie, die Klinik für Psychiatrie und die für Innere Medizin mit Akutfunktion bleiben laut Lars Timm, dem Geschäftsführer des Krankenhauses, erhalten.
Mit der Spezialisierung verbindet sich das Geschäftsmodell: Man pickt sich die Rosinen raus, was Geld bringt, lässt aber die Grundversorgung der Bevölkerung außer acht.
Ist all das eine Auswirkung der Gesundheitsreform von Exgesundheitsminister Karl Lauterbach oder von Gesundheitsministerin Nina Warken, die dessen Konzept weitgehend beibehalten will?
Den Trend, Krankenhäuser privatisieren und ökonomisieren zu wollen, gibt es seit Jahrzehnten. Seither zeigt sich, wohin das führt: Lukratives wird erhalten, anderes unterlassen. Dabei ist die Grund- und Regelversorgung der Bevölkerung im Grundgesetzartikel 2, Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, festgeschrieben. Die Politik muss das garantieren. Es darf nicht nur um rein ökonomische Entscheidungen gehen. Gerade in einer strukturarmen Gegend wie Geesthacht ist es falsch, an Krankenhäusern zu sparen. Private Unternehmen, die mit Aktiengesellschaften Gewinn herausziehen wollen, verteuern das Gesundheitssystem. Beschäftigte und Patienten müssen das ausbaden.
Arne Cords ist Gewerkschaftssekretär für Gesundheit und soziale Dienste im Verdi-Bezirk Lübeck-Süd-Ostholstein
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