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Aus: Ausgabe vom 05.01.2026, Seite 16 / Sport
Quälix Austria

Bischofshofen ruft

Von René Hamann
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Letztes Jahr noch spitze, heuer nicht mal mehr bester Österreicher: Daniel Tschofenig

Es ist Winter, und damit ist leider nicht Sabine gemeint. Man merkt das an dem Schnee draußen, der trotz aller Hitzerekordjahre immer noch immer mal wieder fällt. Berlin ist weiß und auch in Wien blieb der Schnee ein bisschen liegen, bis er doch wieder verräumt oder geschmolzen war. »The snow only shines on TV« – stimmt halt nicht, noch nicht.

Also ist auch wieder Wintersportmarathon, und man fragt sich, wie viel ARD und ZDF den internationalen Skisportverbänden für ihre Dauersendungen so löhnen oder ob alles mit Schnee sowieso im Ramsch zu haben ist. Oder guckt jemand ernsthaft Skispringen? Obwohl, Formel 1 wird ja zum Beispiel auch geguckt, obwohl da nur Brummbrumm um Kurven herum zu sehen ist. Mein Vater schaute sich einst sogar Sonntag morgens Eisschnelllaufen im niederländischen Fernsehen an.

Ich dagegen habe eine Schwäche für Curling – bald ist wieder Olympia, vielleicht steige ich da mal seriös in die Berichterstattung ein. Doch erst einmal steht der Abschluss der Vierschanzentournee an, und ich war erstaunt zu erfahren, dass das glückliche Österreich da im letzten Jahr alles abgeräumt hatte, also die Plätze eins bis drei in der Gesamtwertung. Mit Namen: Daniel Tschofenig, Jan Hörl, Stefan Kraft.

Ein schöner Dreiklang, passend zum Dreikönigstag, an dem traditionell das Abschlussspringen in Bischofshofen stattfindet. »Heuer« wird das allerdings etwas schwieriger mit einem Sieg für die Alpenhupfer in Rot-Weiß-Rot, denn in Slowenien kann man auch springen und das sogar billiger als hierzulande. Der Favorit und Führende kommt von da, heißt Domen Prevc und leidet keinesfalls an Höhenangst. Bei den ersten Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gewann er eindrücklich und lag mit 619,8 Punkten ganze 35 vor Hörl.

Dass der »Dominator« am Wochenende in der Qualifikation für Innsbruck schwächelte, machte auch dem Deutschen Philipp Raimund Hoffnung. Der hatte, für seinen Sport ungewöhnlich, im letzten Winter ein Skifliegen wegen Höhenangst abgesagt (Überschrift auf Wettbasis.com: »Fünf Facts zu Skisprung-Star Philipp Raimund: Freundin, Eltern, Herkunft, Höhenangst & Beruf«). Aber inzwischen hat er »mental an sich gearbeitet«, wie der Focus schreibt. Er selbst meint, er habe »den inneren Konflikt« seines Berufs »natürlich bei 95 Prozent meiner Sprünge unter Kontrolle«. Vor dem dritten Springen in Innsbruck am Sonntag lag er auf Platz sechs. Aber das kann ja noch werden.

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