Auf und davon
Von René Hamann
Am Ende wurde es doch deutlich: Der neue Weltmeister im Pfeilewerfen ist der alte, es ist der immer noch nur 18jährige Luke Littler aus Warrington, England. In einem fieberhaft erwarteten, dann aber nur in den ersten beiden Sätzen hochklassigen Finale schlug die Nummer eins der Dartwelt, das kleine dicke Genie Littler, am Sonnabend seinen neuen, ebenfalls noch recht jungen Herausforderer Gian van Veen (23) klar mit 7:1.
Dabei sah es im Vorfeld so aus, als ob der Niederländer van Veen vielleicht den großen Magier vom Thron stoßen könnte: Er fegte den Littler-Vorgänger Luke Humphries (30) aus dem Viertelfinale, schlug auch den noch einmal groß auftrumpfenden Altmeister Gary Anderson (55) im Halbfinale und überzeugte dabei vor allem durch seine Mischung aus gutem Scoring (viele Dreierwürfe über 100 und 140) und sehr guter Double-Quote, also dem Treffen der Doppelfelder zum Beenden eines Legs.
Im Finale sah es in den ersten beiden Sätzen noch so aus, als ob van Veen mithalten könnte. Er ging mit 1:0 in Führung, Luke Littler zeigte eine kleine Schwäche, auch in Satz zwei hatte van Veen Chancen auf den Satz. Dann passierte es: Littler geriet in eine kleine Wut, die Maschine sprang an, van Veen verfehlte des Öfteren das Doppelfeld, Littler scorte plötzlich nach Belieben und zog in Windeseile unbeirrbar davon. Es störte nichts mehr: nicht die verfehlten Versuche auf den Neuner-Darter, nicht die »Ally-Pally-Wespe« im Londoner Alexandra Palace, die auch mal stechen wollte, und schon gar nicht die Stoik des Niederländers, der im Gegenteil immer stärker mit sich und seiner Spielkunst haderte.
Schade eigentlich: Die »größte WM aller Zeiten« mit insgesamt 128 Startenden, einer Menge Randgeschichten, gutem Kneipensport in großer Halle – nächstes Jahr geht es in die doppelt so große Halle am selben Ort – und dem »jüngsten Finale aller Zeiten« endete mit, ja, man muss es so sagen, einer Enttäuschung. Andererseits: Littler hat gezeigt, dass er das Feld auch weiterhin beherrscht, und der Einzige, der ihn in einem WM-Finale je geschlagen hat, bleibt Humphries.
Die Jugend hat endgültig die Macht übernommen. Littler, Humphries, van Veen bilden ein neues Triumvirat. Aber auch die Exweltmeister Rob Cross (35) und Gary Anderson zeigten, was sie können. Dennoch blieb einiges gleich – im Halbfinale standen zwei Engländer, ein Schotte und ein Niederländer. Von fünf gestarteten Frauen schaffte es keine in Runde zwei. Und acht Deutsche reduzierten sich rasch auf vier in Runde drei und auf null im Achtelfinale.
Weihnachten ist over, Darts verschwindet wieder in weithin egalen Satellitenwettbewerben, die nur die Inner Crowd interessieren. Und doch: Es sind nur noch knapp über 300 Tage bis zur nächsten WM!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Sport
-
Die unbekannten Wesen
vom 05.01.2026 -
Bischofshofen ruft
vom 05.01.2026