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Aus: Ausgabe vom 02.01.2026, Seite 16 / Sport
Biathlon

Vorsicht, Soldaten!

Nach drei Weltcups im Biathlon blicken die Sportler vor allem Richtung Olympia. Russische Sportler kämpfen weiter um Zulassung
Von Florian Osuch
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Favoritin des DSV: Franziska Preuß, Gesamtweltcupsiegerin 2024/2025

In wenigen Wochen beginnen in Italien die Olympischen Winterspiele. Bei den deutschen Biathletinnen und Biathleten ist noch nicht klar, wer an den Wettkämpfen in Cortina ­d’Ampezzo teilnehmen wird. So kämpften die Sportlerinnen und Sportler bei bisher drei Biathlonweltcups in Östersund (Schweden), Hochfilzen (Österreich) und im französischen Annecy-Le Grand-Bornand nicht nur um wichtige Punkte für die Wertungen der Weltcupsaison, sondern auch um eine Qualifizierung für Olympia. Ende Januar legt der Skiverband DSV dem Deutschen Olympischen Sportbund einen Vorschlag vor. Bis dahin kann noch viel passieren. Und es stehen noch drei anstrengende Turnierwochenenden aus.

Bei den Biathletinnen ist Franziska Preuß klare Favoritin des DSV. Sie hatte den Gesamtweltcup in der Vorjahressaison 2024/25 gewonnen; hinzu kamen vier Medaillen bei der Biathlon-WM im Februar in der Schweiz. Kurz vor Weihnachten ist Preuß zur Sportlerin des Jahres gekürt worden. Allerdings startete die 31jährige verspätet in die laufende Saison. Aufgrund einer Doppelerkrankung aus Grippe und Covid-19 verpasste sie die Auftaktrennen in Schweden und auch den zweiten Weltcup in Hochfilzen. Doch schon beim dritten Turnier in Frankreich zeigte sie ihr Können. Beim Massenstart errang sie Platz sechs, in der Verfolgung Rang elf – beide Disziplinen absolvierte sie mit einem fehlerfreien Schießen – das gelingt nur den allerwenigsten. Jetzt muss nur noch die Fitness wiederhergestellt werden.

Preuß’ größte Konkurrentin ist Lou Jeanmonnot aus Frankreich. Die 27jährige ist in Spitzenform und aktuell wohl die weltbeste Biathletin: sicher beim Schießen und schnell in der Loipe. Ein Drittel der Saison ist schon vorbei. Im Januar finden drei Weltcups statt, dann ist Olympia, und im März gibt es drei weitere Turniere. Behält Jeanmonnot ihre Form bei und bleibt von Verletzungen oder längerer Krankheit verschont, ist ihr das gelbe Trikot der Führenden vermutlich nicht mehr zu nehmen, wenngleich auch Maren Kirkeeide (Norwegen), Dorothea Wierer (Italien) und Anna Magnusson (Schweden) bisher sehr gute Ergebnisse erzielten. Jeanmonnot hatte sich in der letzten Saison ein bis zuletzt spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Franziska Preuß geliefert, das die Deutsche nur deshalb für sich entscheiden konnte, weil die Französin beim allerletzten Lauf – den Gesamtweltcup vor Augen – kurz vor dem Ziel stürzte.

Bei den Männern führt Johan-Olav Botn aus Norwegen vor Éric Perrot aus Frankreich und Tommaso Giacomel aus Italien. Sieger des Gesamtweltcups der Vorjahressaison, der Norweger Sturla Holm Lægreid, belegt aktuell Rang sechs.

Überschattet wurde die bisherige Saison vom plötzlichen Tod eines Biathleten. Sivert Guttorm Bakken aus Norwegen war am 23. Dezember, zwei Tage nach seinem letzten Weltcuprennen, tot in seinem Hotelzimmer im italienischen Lavazè aufgefunden worden. Die genauen Todesumstände sind noch unklar.

Unklar ist derweil auch, ob die gesperrten Biathletinnen und Biathleten aus Belarus und der Russischen Föderation an den Olympischen Spielen teilnehmen können. In einigen Wintersportdisziplinen wie Langlauf, Ski alpin, Skeleton, Eisschnellauf und Eiskunstlauf ist es einzelnen Sportlern gestattet, als »Individuelle Neutrale Athleten« an den Qualifikationswettkämpfen teilzunehmen – einige haben sich bereits Startplätze gesichert. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat dies in einem Eilverfahren ermöglicht, nachdem die Internationale Ski- und Snowboardföderation (FIS) ein pauschales Verbot zur Teilnahme an den Qualifikationsläufen ausgesprochen hatte. Dagegen legten der russische und der belarussische Skiverband erfolgreich Berufung ein. Sie beriefen sich auf die Statuten der FIS, wonach Athleten vor Diskriminierung zu schützen seien.

Die Internationale Biathlonunion (IBU) hält weiter an einem pauschalen Ausschluss fest. Die Sportler seien schließlich mit einer Waffe unterwegs, argumentierte Christian Winkler von der IBU Mitte Dezember gegenüber dpa. An den drei Biathlonweltcups hat bisher kein Biathlet aus Russland oder Belarus teilgenommen. Christian Winkler sagte weiter: »Das Bild ist schon schwer vorstellbar, dass ukrainische und russische Athleten mit einem Gewehr nebeneinanderstehen.« Er verwies auch auf die Nähe der russischen Sportler zur Armee. »Teilweise haben sie sogar militärische Dienstgrade«, schrieb die Zeit. Was in der Wochenzeitung unerwähnt bleibt: Das ist in vielen Ländern so. In Österreich gibt es sogar gemeinsame Trainings zwischen Biathleten und der Eliteeinheit Jagdkommando – »Teambuilding« heißt das dort. In Deutschland gehören etwa 890 Sportlerinnen und Sportler der Bundeswehr an – auch aus dem Biathlon. Der aktuell wohl beste Deutsche, Justus Strehlow, ist Sportsoldat, ebenso seine Teamkolleginnen Janina Hettich-Walz und Julia Tannheimer. Franziska Preuß, Vanessa Vogt und Selina Grotian sind dagegen Beamtinnen beim Zoll. Philipp Nawrath ist Polizist. Für die Bundesregierung ist dies ein Vehikel zur Sportförderung. Denise Herrmann-Wick, Olympiasiegerin von 2022 und Doppelweltmeisterin von 2019 und 2023, war Unteroffizierin. Als Benedikt Doll 2017 die Biathlon-WM im Sprint gewann, rühmte sich das Verteidigungsministerium für seine Bundeswehr-Zugehörigkeit: »Er steht für sein Land ein. Das ist ein Aushängeschild unseres Landes.«

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