Bücher, Begegnung, Debatten
Von Gitta Düperthal
Die Frauengruppe der »Fembib« blickt stolz zurück: drei Jahre Feministische Bibliothek im Studierendenhaus auf dem alten Campus der Goethe-Universität im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Am 6. Dezember lud die Orgagruppe ein, die durch Bücherspenden von Frankfurterinnen stets ausgeweitete Bibliothek mit einem über die Jahre gewachsenen Buchbestand zu feiern. Dahinter steckt viel Arbeit: kategorisieren, katalogisieren, digitalisieren, Bücher reparieren. Sie werden auf Vertrauensbasis ausgeliehen, nur die E-Mail-Adresse wird hinterlegt. Die reguläre Leihdauer beträgt vier Wochen. Die Ausleihe ist kostenlos. Willkommen ist auch, wer nicht studiert hat. Alle sollen Zugang zu feministischer Bildung und entsprechenden Inhalten haben, wie Frauen mit wenig Geld.
Zudem ist die Bibliothek ein Raum der Begegnung, wo gern gefeiert wird. Sektgläser, hübsch aufgereiht auf einem Regal vor lila gestrichener Wand; das Fenster mit avantgardistischen Skizzen von der Offenbacher Künstlerin Lisa Peil verschönert: »Abgebildete Frauen blicken nicht ständig nur fröhlich drein, sondern auch wütend.« Streit dürfe sein, sagt Marie Hahnen, eine der Sprecherinnen der Gruppe, gegenüber junge Welt. Es gehe darum, »ihn als produktives Mittel anzusehen, um daran wachsen zu können; diverse Positionen abzubilden und auf die Historie zurückzuschauen«. In der feministischen Bewegung sei immer viel gestritten worden. »In den meisten Fällen gibt es nicht die eine Wahrheit.«
»Wir wollen mehr als nur feministische Bücher ausleihen; Verbundenheit schaffen und in Austausch kommen«, sagt Hahnen. Vor allem aber treibe die ehrenamtlich wirkenden Frauen, die teils noch studieren, mitunter auch berufstätig sind, die Leidenschaft für Bücher an, zu Themen wie Queerfeminismus, schwarzem Feminismus bis hin zu Abtreibungsrecht, sexualisierter Gewalt oder Femiziden. Es findet sich Literatur zur Filmgeschichte, etwa zum dänischen Stummfilmstar Asta Nielsen. Ob zu Popfeminismus, Unterhaltung, Bildung, feministischer Medizin; ob zum Schmökern oder tiefgründigen Studieren – hier wird frau fündig. Es gibt Belletristik und wissenschaftliche Fachliteratur; Zeitschriften und Diskussionsprotokolle; Abschlussarbeiten von Hochschulabsolventinnen: ein Archiv zur Zeitgeschichte über feministische Kämpfe, ein historischer Schatz!
Die Frauen der Fembib fordern auf, in Bachelor- und Masterarbeiten entstandenes Wissen nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Einiges Spannende hat sich angesammelt: Sunita Marie Hermanns Abschlussarbeit für den Bachelor of Arts unter dem Titel »Lesbisch, bekennend, radikal« von 2025 oder Melissa Dutzs Masterarbeit in Soziologie »Rosa Luxemburgs Konzept der revolutionären Realpolitik im Kontext einer feministischen Politisierung des Alltags« von 2022.
Gegründet hat sich die selbstverwaltete Gruppe eines Abends am WG-Tisch, erzählt Hahnen. Plötzlich sei alles ganz einfach gewesen. Die Gruppe durfte auf den Buchbestand des Autonomen Frauen-Lesben-Referats zugreifen – das sich neuerlich Autonomes Flinta-Referat nennt (bezogen auf das Akronym für Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans und Agender-Personen) – und darf dessen Räumlichkeiten nutzen. »Wir begrüßen es, wenn Männer feministische Bücher lesen.« Allerdings sei der Ort der Begegnung für Debatten, Lesungen und Veranstaltungen hinter einem rosa Vorhang als herrschaftsfreier Raum nur für Flinta-Personen. Kämpfe um die feministische Kultur sind schon alt, bestätigt Lea Kasper, eine weitere Sprecherin, im Gespräch mit jW.
Als offene Gruppe suchen sie immer wieder neue Frauen, die Lust auf den Umgang mit Büchern und den sozialen Austausch im feministischen Spektrum haben. »Zum Thema Femizid wollen wir so lange aktiv bleiben, bis wir keine ermordeten Frauen mehr betrauern müssen«, erläutern die Sprecherinnen. Aus dem Umfeld der Fembib gehen Frauen gemeinsam auf die Straße: ob am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen im November oder am Internationalen Frauentag im März.
Was motiviert die Gruppe von etwa zehn Frauen? Einfach das zu tun, worauf alle gemeinsam Lust haben. Eines der Highlights im Jahr 2025 war eine Lesung mit Lana Lux, Autorin von »Geordnete Verhältnisse«. Deren Roman handelt von einem originär feministischen Sujet: von der Wut einer Frau, die sich weigert, Besitztum eines Mannes zu werden.
Die Feministische Bibliothek im Studierendenhaus Frankfurt am Main, Mertonstraße 26–28. Geöffnet: Dienstags von 18 bis 20 Uhr
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vom 02.01.2026