In die Seile
Von Thomas Behlert
Am Wochenende war der dritte Weltcup der Bobsaison, diesmal in Lillehammer. Zum Saisonauftakt vor zwei Wochen hatte man noch die Olympiabahn in Cortina d’Ampezzo getestet, wo sich Laura Nolte und ihr Team schadlos hielten, die anderen bundesdeutschen Damen aber schwächelten. Bei den Männern siegte das Team von Johannes Lochner im Zweier- und im Viererbob. Der Stuttgarter bewegte die Lenkseile des Bobs etwas filigraner, so dass sein Schlitten kaum Berührung mit den Banden hatte. Für eine Überraschung sorgte der Südkoreaner Jinsu Kim, der mit seinem Team den dritten Platz belegte.
Nur eine Woche später in Innsbruck belegte Francesco Friedrich mit gewohnter Lässig- und Schnelligkeit im Viererbob den ersten Platz. Die Bob- und Schlittenbahn von Innsbruck-Igls gilt nach einem Umbau als die gefährlichste der Welt, so schnell sind die Kurven. Nach viel Kritik durften nur die Bobsportler den Kampf mit der Bahn aufnehmen, die Rennrodler wichen aus.
Nun traf man sich also in Lillehammer. Die erste feste Bahn Norwegens wurde für die Olympischen Winterspiele 1994 gebaut: 1.365 Meter, 16 Kurven und der schöne Name »Bob- og Akebane«. Hier fuhr die Winterbergerin Nolte ohne Fehler auf den zweiten Platz. Schneller war nur die Australierin Breeana Walker. In der Gesamtwertung führt Nolte, deren stärkste Konkurrentin Kaysha Love aus den USA Punkte liegen ließ und sich wegen eines Fahrfehlers mit dem 16. Platz begnügen musste. Lisa Buckwitz kam über den fünften Platz nicht hinaus. Kim Kalicki haderte, reihte Fehler an Fehler und belegte nur den 18. Platz. Beim Zweierbobwettbewerb lag Nolte mit Deborah Levi vor Kalicki und Talea Prepens sowie Buckwitz mit Neele Schuten.
Die Männer starteten am Sonnabend und Sonntag jeweils mit den schweren Viererbobs. Aus pragmatischen Gründen: Die Bahn in Sigulda (Lettland), wo nächste Woche der nächste Weltcup gefahren wird, ist nicht mehr für die großen Schlitten zugelassen, dort wird es nur ein Zweierbobrennen geben. In Lillehammer konnten Johannes Lochner und Kollegen am Sonnabend 0,22 Sekunden Vorsprung rausfahren. Friedrich hatte keine Chance, an Lochner vorbeizukommen, da sein Gefährt während des ersten Durchlaufs einige Male zu hart an der Bande schrammte und er die Lenkseile kräftiger als geplant betätigen musste. Auch der Sonntag hatte es in sich, denn Friedrichs Anschieber Alexander Schaller strauchelte beim Einstieg, was wertvolle Zeit kostete. Am Ende fiel Friedrich sogar hinter Adam Ammour zurück. Dumm gelaufen: Am Sonnabend hatte Schaller bei Ammour angeschoben und sich keinen Fehler erlaubt. Den vierten Platz belegten Patrick Baumgartner und Co. aus Italien, die sich für Olympia daheim etwas ausrechnen dürfen.
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