Krach im Auenland
Von Gabriele Damtew
Eines wollte der inzwischen wieder Zweitplazierte aus Duisburg unbedingt: am Tabellenführer Cottbus dranbleiben. Denn die Woche zuvor hatte der MSV im heiß erwarteten Spitzenspiel der dritten Liga zwischen den punktgleichen Kontrahenten das Nachsehen gehabt. Dabei hatten die tapferen Zebras einen Rückstand von 0:2 egalisieren können, in der 90. Minute. Doch wieder war es Tolcay Ciğerci, Energies Mann für alle Fälle, der tief in der Nachspielzeit den Siegtreffer landete – einen nicht nur überaus wichtigen, sondern auch durchaus schönen. Einfach mal so über den gegnerischen Torhüter gehobelt. Das ehemalige Stadion der Freundschaft glich einem Tollhaus.
Gegen den Gegner aus dem Schacht zu Aue (Platz 17 von 20) versprach sich der MSV Duisburg am vergangenen Sonnabend zu Recht einiges. Im Keller ist es duster, auch wenn man weiß, wo die Türklinke ist. Ganz ähnlich wie der MSV hatte auch Erzgebirge Aue im letzen Spiel (gegen Ingolstadt) ein Last-minute-Tor kassieren müssen. Allerdings nur zum Remis (2:2), was angesichts der Tabelle dennoch richtig weh tat. Zudem kann sich Duisburg damit brüsten, das einzige Team der Liga zu sein, das zu Hause noch nicht geschlagen werden konnte. Woran die wahnsinnigen Fans der Zebras einen nicht geringen Anteil haben.
Livespiel im Free-TV – na ja, man muss schon quartalsmäßig dafür blechen, aber das Bier (oder die Limo für die lieben Kleinen) ist zu Hause billiger. Die orthodoxen Kumpelgläubigen in ihren lila Roben waren natürlich aus dem tiefsten Süden des Ostens nach NRW gepilgert. Aue nicht nur in der Höhle der Zebras, sondern auch ohne Torwartikone Martin Männel und Torjäger Marcel Bär, beide verletzt. Das kann ja nüscht werden, dachte so manche fachkundige sächsische Fanfrau. Zweifel an vielem hatte auch das Präsidium des Vereins aus der Stadt im Erzgebirge, mit einem der kleinsten Etats der Liga.
Schon unter der Woche hatte es gewaltig gekracht im Auenland. Zuerst war mit Jörg Emmerich der Kotrainer von Jens Härtel entlassen worden. Damit, so wurde kolportiert, habe sich Sportdirektor Matthias Heidrich nicht einverstanden erklären können, so dass auch er gefeuert wurde. Recht fragwürdig. Ins Negativkonto des Managers gehen wohl eher die nicht getätigten Transfers nach dem Achillessehnenriss von Torjäger Bär. Einen passenden Ersatz zu finden, ist immer schwierig, vor allem teuer, siehe Etat. Zumindest steht mit dem zweiten Torwart Louis Lord ein junger Typ im Kasten, der Ü-30-Männel vertreten kann. Das torlose Remis beim besten Gastgeber der Liga hatte neben dem überzeugenden Zweikampfverhalten von Verteidiger Ryan Malone ebenso Lord mit seinen Glanzparaden zu verantworten, beide Men of the Match. Dagegen behaupten manche westfälische Zungen, der Schiri hätte zumindest eine von drei strittigen Handballsituationen für Duisburg pfeifen müssen. Die weihnachtlichen Schwippbögen im Erzgebirge werden in aller Ruhe die winterliche Dunkelheit erleuchten, wie jedes Jahr.
Cottbus bleibt die Nummer eins, trotz der Niederlage bei Wiesbaden (1:3). Zumindest bis zum nächsten Spieltag. Dann wird der Herbstmeister gekürt. Ein Titel, für den man sich nichts kaufen kann, außer vielleicht einen neuen Stürmer.
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