Wiedersehen in Klingenthal
Von Gabriel Kuhn
Es war im Weltcupkalender der Skispringer nicht vorgesehen, doch eine Absage bescherte Klingenthal am vergangenen Wochenende vier Wettbewerbe. Männer und Frauen maßen sich je zweimal auf der Schanze in der Vogtland-Arena.
Klingenthal ist als Ersatzort im Weltcup gesetzt. Bereits das erste Weltcupspringen in der damals neu gebauten Vogtland-Arena kam 2007 nur zustande, weil ein Wettbewerb im tschechischen Harrachov schlechtem Wetter zum Opfer gefallen war. Davor wurde in der sächsischen Kleinstadt, die in der DDR als Zentrum für den nordischen Skisport diente, siebzehn Jahre lang gar nicht gesprungen. Nachdem die 1959 errichtete Aschbergschanze direkt nach der »Wende« gesprengt worden war, blieb ein versprochener Neubau vorerst aus. Es bedurfte großer Anstrengungen des Landkreises, um den Skisprungsport zurückzubringen.
Das Springen 2007 vor über 20.000 Zuschauern war ein großer Erfolg, als Fixpunkt im Weltcupkalender konnte sich Klingenthal dennoch nicht etablieren. Dazu fehlte es in der strukturschwachen Region an Geld, der Internationale Skiverband FIS ist kein Wohltätigkeitsverein. Doch wenn Not am Mann ist, greift die FIS gern auf das erfahrene Klingenthaler Organisationsteam zurück.
In diesem Jahr hatte man in Klingenthal relativ lange Zeit, um sich auf die Wettbewerbe vorzubereiten. Bereits im August kam das Aus für Lake Placid, wo die Springen ursprünglich hätten stattfinden sollen. Doch die Umbauarbeiten an der dortigen Schanze waren vor dem Winter nicht abzuschließen.
An den drei Wettkampftagen kamen in diesem Jahr insgesamt 25.000 Besucher in die Arena. Die Damen waren dort im Weltcup zuletzt 2021 gesprungen, die Herren 2023. Bei den Damen teilten sich heuer die Japanerin Nozomi Maruyama und die Slowenin Nika Prevc die Siege. Gewann die eine, belegte die andere Platz zwei. So läuft es eigentlich schon den gesamten Winter. Maruyama landete überhaupt nur in einem der bisherigen acht Springen nicht auf dem Podest. Sie führt in der Weltcupgesamtwertung vor Prevc.
Auf einen Podestplatz warten müssen in dieser Saison vorerst noch die Springerinnen des DSV. Nah dran war beim zweiten Springen in Klingenthal die Lokalmatadorin Selina Freitag. Die für den SG Nickelhütte Aue startende 24jährige belegte Rang vier. Im ersten Springen war Freitag Siebte geworden. Neben ihr konnten sich auch Agnes Reisch (WSV Isny) als Elfte und Fünfte sowie die Weltmeisterin von der Normalschanze 2023 Katharina Schmid (SC Oberstdorf) als Dreizehnte und Zwölfte gut plazieren.
Einen Podestplatz bei den Herren für den DSV sicherte sich im ersten Springen Philipp Raimund (SC Oberstdorf). Raimund wurde Dritter hinter dem überragenden Slowenen Domen Prevc (Bruder von Nika) und dem österreichischen Routinier Stefan Kraft. Auch im zweiten Springen war Raimund mit Rang zehn bester DSV-Athlet. Es gewann wieder Domen Prevc, diesmal vor den Japanern Ren Nikaido und Ryoyu Kobayashi. Prevc führt wenig überraschend auch die Weltcupgesamtwertung an, Raimund liegt auf Platz vier.
Hinter dem 25jährigen Spätstarter tut sich im deutschen Herrenteam momentan eine große Lücke auf. Im ersten Springen schaffte es neben Raimund nur Felix Hoffmann (SWV Goldlauter) in den Finaldurchgang der besten 30, wo er schließlich 29. wurde. Im zweiten Springen steigerte er sich auf Platz zwölf. In den Finaldurchgang beim zweiten Springen kam auch der Fünfte des Gesamtweltcups der vergangenen Saison, Pius Paschke vom WSV Kiefersfelden, doch mehr als Platz 26 schaute am Ende nicht für ihn heraus.
Der Olympiasieger von der Normalschanze 2018, Andreas Wellinger (SC Ruhpolding), erwischte in Klingenthal alles andere als ein rundes Wochenende. Er schaffte es in keinem der beiden Springen in den Finaldurchgang. Nun will der 30jährige eine Weltcuppause einlegen und ins Privattraining gehen. Dort befindet sich bereits der neunfache WM-Medaillengewinner Karl Geiger (SC Oberstdorf), der gar nicht erst nach Klingenthal angereist war. 2023 hatte Geiger dort noch beide Springen gewonnen, doch zuletzt ereilte ihn im polnischen Wisła das gleiche Schicksal wie nun Wellinger in Klingenthal: Er schaffte es in keinem von zwei Weltcupspringen in den Finaldurchgang.
Die weiteren Weltcupstationen der Skispringer in diesem Jahr in Deutschland: Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen Ende Dezember/Anfang Januar im Rahmen der Vierschanzentournee (Herren) bzw. der »Two-Nights-Tour« (Damen) sowie Willingen vom 30 Januar bis 1. Februar.
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