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Aus: Ausgabe vom 16.12.2025, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Mehrtägiges Chaos

Flugverkehr wieder in stabilen Bahnen

Nach historischen Ausfällen: Zustände in indischer Airlineindustrie normalisieren sich
Von Thomas Berger
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Wegen durch schlechte Planung verursachten Personalmangels fielen in ganz Indien Tausende Flüge aus

In Indien beginnen sich die Zustände an den Flughäfen nach den größten Betriebsstörungen seit rund 20 Jahren allmählich zu normalisieren: Die private Indigo, die größte Airline des Landes, hatte in der ersten Dezemberwoche je nach Schätzung 3.400 bis 4.000 Flüge streichen müssen. Die Ausfälle hatten für gravierende Probleme gesorgt, die noch immer nachwirken. Allein am ersten Freitag des Monats fielen gut 1.600 Flüge aus. Sowohl Politik und Behörden als auch das Unternehmen selbst versuchen seither, den Betrieb wieder in verlässliche Bahnen zu lenken.

Airlinechef Pieter Elbers wurde am 9. Dezember vom zuständigen Ressortchef der Regierung, Ram Mohan Naidu, zum Rapport ins Ministerium einbestellt. Dabei ging es um Normalisierungen im Flugplan ebenso wie um Entschädigungen für die von Ausfällen, Verspätungen und gestrandetem Gepäck betroffenen Passagiere, war unter anderem im Wirtschaftsblatt Mint nachzulesen. Illustriert wurde dies mit einem Foto, auf dem der mächtige Manager wie ein Schuljunge vor dem Minister sitzt.

Zustande gekommen war das Chaos aufgrund neuer Vorschriften für Ruhezeiten, die bei Indigo – mangels rechtzeitiger Vorkehrungen – zu einem Engpass bei verfügbaren Piloten geführt hatten. Laut Anordnung der indischen Flugaufsichtsbehörde DGCA musste die Airline inzwischen ihren Flugplan um fünf Prozent ausdünnen, damit die verbleibenden Verbindungen halbwegs zuverlässig bedient werden können. Das Unternehmen selbst kündigte an, etwa ein Zehntel aller Flüge abzubauen, die bestehenden Strecken jedoch grundsätzlich zu erhalten.

Naidu rügte Elbers und die übrige Konzernspitze scharf. Keine Fluggesellschaft, so groß sie auch sei, dürfe sich einen solchen Umgang mit Passagieren wie während der ersten Dezembertage erlauben, stellte sich der Minister bei einer Rede in der Lok Sabha, dem Unterhaus des indischen Parlaments, auf die Seite der Betroffenen.

Indigo liegt vor allem bei den Inlandsflügen mit einem Marktanteil von rund zwei Dritteln um Längen vor dem nächststärksten Konkurrenten Air India. Dieser einst staatseigene Konzern war 2022 zunächst mit einem Verkauf an das Wirtschaftskonglomerat Tata privatisiert worden. Nach einer 2024 abgeschlossenen Fusion mit der Fluggesellschaft Vistara hält Singapore Airlines seither eine 25-Prozent-Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen.

Das Flugdatenportal OAG listet allein für diesen Monat bei Indigo knapp 13,7 Millionen verfügbare Plätze, ein Plus von 9,6 Prozent gegenüber Dezember 2024. Air India kommt nur auf 3,9 Millionen, zuzüglich 2,8 Millionen bei der Tochter Air India Express. Diese baute ihre Kapazität um 21,8 Prozent aus, bei der Konzernmutter gingen sie hingegen im Jahresvergleich um acht Prozent zurück. Selbst Spicejet als Nummer drei der Branche (mit nun 891.000 Plätzen) liegt weit abgeschlagen hinter diesem Duo. Derweil Air India mit einer renovierungsbedürftigen Flugzeugflotte und anderen Problemen kämpft, bietet die aus dem Billigflugsektor kommende Indigo selbst auf internationalen Flügen nur rudimentären Service, um die Kosten auf ein absolutes Minimum zu drücken.

Laut einem Bericht des Branchenverbands International Air Transport Association vom Juni steuerte Indiens Luftverkehrsindustrie im Jahr 2023 mit 53,6 Milliarden US-Dollar rund 1,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. 7,7 Millionen Jobs hängen direkt am Flugverkehrssektor. Neben bisher knapp 500 Flughäfen sind etliche neue im Bau, andere werden deutlich erweitert. Die Regierung unter Premierminister Narendra Modi will laut einem Strategiepapier von 2019 die Passagierzahlen bis 2040 mehr als versechsfachen – auf 1,1 Milliarden Passagiere im Jahr.

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