Wie will die UKB-Tochter den Betriebsrat loswerden?
Interview: Jessica Reisner
Die zentrale Essenszubereitung an der Uniklinik in Bonn wurde in das 2005 gegründete Tochterunternehmen UKB-Catering GmbH ausgelagert. Von ehemals sieben Betriebsratsmitgliedern sind jetzt nur noch zwei übrig. Wie ist Ihre Situation als Betriebsratsvorsitzender?
Ich bin Koch und vertrete die Interessen von rund 100 Kollegen, die in der Zentralküche der Uniklinik arbeiten. Die Geschäftsführung hat beim Betriebsrat die Zustimmung zu meiner Kündigung beantragt. Der Betriebsrat hat sie verweigert. Deshalb soll das Arbeitsgericht Bonn die Zustimmung zu meiner Kündigung ersetzen. Zumindest, wenn es nach der UKB-Catering geht. Im Zuge dessen bin ich auch schon seit Ende September freigestellt.
Wie endete die Güteverhandlung?
Wie zu erwarten: ohne Einigung. Das Arbeitsgericht Bonn hat einen Kammertermin für den 23. April 2026 festgelegt.
Ändert sich dadurch etwas an Ihrer Situation?
Nein, ich bin weiterhin freigestellt, nehme meine Aufgaben als Betriebsrat jedoch wahr. Selbstverständlich wäre ich lieber im Betrieb und würde bei der alltäglichen Arbeit den Kontakt zu meinen Kolleginnen und Kollegen halten. Ich möchte so bald wie möglich wieder arbeiten.
Mit welcher Begründung hat die Geschäftsführung beim Betriebsrat die Zustimmung zu Ihrer Kündigung beantragt?
Die Geschäftsführung stützt sich im wesentlichen auf die Behauptung, ich hätte gegen die vertrauensvolle Zusammenarbeit verstoßen, wegen eines internen Entwurfs, der Missstände beschrieb – jedoch nie verschickt wurde, somit keinen Schaden verursachte und in keiner Weise gegen Pflichten verstieß.
Das klingt nach einem Konstrukt, um einen engagierten Betriebsratsvorsitzenden aus dem Betrieb zu entfernen.
In der momentanen Gesamtlage wirkt der Ersetzungsantrag zu meiner Kündigung auffällig. Er fällt in eine Phase, in welcher der Betriebsrat mit bereits reduzierter Besetzung arbeiten musste und gleichzeitig Missstände angesprochen wurden.
Weshalb sind nur noch zwei Betriebsratsmitglieder übrig?
Mehrere Leute sind ausgeschieden. Teils unter großem Druck, der in Einzelgesprächen aufgebaut wurde. Eine Kollegin beispielsweise bedauerte ihren Rücktritt sofort. Gemeinsam leiteten wir dann sozusagen den Rücktritt vom Rücktritt ein, damit sie wieder an Sitzungen teilnehmen konnte. Andere sind aus persönlichen Gründen zurückgetreten.
Parallel dazu gab es eine Phase, in der die Geschäftsleitung Schulungen nach Paragraph 37 Abs. 6 Betriebsverfassungsgesetz verweigerte. Das hat viele Beschäftigte verunsichert, weil sie das Gefühl hatten, der Betriebsrat könne seine Aufgaben nicht vollständig wahrnehmen. Und sie haben recht: Betriebsratsarbeit ist komplex. Schulungen sind existentiell, um ein Gerüst zu haben, an dem entlang man die Arbeit für die Interessen der Kollegen strukturieren kann.
Welche Veränderungen wünscht sich die Belegschaft der UKB-Catering?
Ernstgemeinte Wertschätzung im Alltag. Zum Beispiel arbeiten die Kolleginnen am Band, wo die Essen zusammengestellt werden, unter hoher physischer Belastung. Als plötzlich die Sitzbänke im Pausenbereich entfernt wurden – mit der Begründung, man wolle beim Einfahren in die Klinik keine Menschen sitzen sehen –, hat das Frust und Unverständnis ausgelöst. Erst nach wiederholten Gesprächen wurden wieder Sitzmöglichkeiten eingeräumt.
Die Kollegen wünschen sich gerechte Zulagenmodelle, klare Kommunikation und eine transparente Personalpolitik. Dazu kommt Stabilität in der Mitbestimmung. Die Kollegen fragen sich, warum gesetzlich vorgesehene Qualifizierungen nicht stattfinden konnten. Diese Unsicherheiten wirken sich direkt auf das Vertrauen in die Führungs- und Organisationsstruktur aus. Ich greife diese Themen im Betriebsrat nicht aus persönlichem Interesse auf, sondern weil sie täglich an mich herangetragen werden.
Weil Sie nur noch zu zweit im Betriebsrat sind, sind Neuwahlen nötig. Welche Auswirkungen hat Ihre Freistellung darauf?
Ich gehe davon aus, dass der Wahlvorstand die Neuwahlen zeitnah einleitet. Meine Freistellung steht dem nicht entgegen. Ich bin weiterhin im Amt, werde kandidieren und stehe der Belegschaft zur Verfügung. Viele Kolleginnen und Kollegen haben signalisiert, dass sie den Betriebsrat stärken wollen.
Till Rohloff arbeitet seit 2018 als Koch in der Zentralküche des Uniklinikums Bonn und ist Betriebsratsvorsitzender
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