Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Kräftige Ohrfeigen«
Zu jW vom 8.12.: »Aus dem Klassenzimmer zum Klassenkampf«
Da haben am 5. Dezember 2025 über 55.000 Schülerinnen und Schüler auf öffentlichen Plätzen in Deutschland den Herrschenden kräftige Ohrfeigen verteilt. Es ist sicher kein Zufall, dass in den öffentlichen Medien darüber kaum berichtet wurde. In Hamburg waren es mehr als 5.000 Streikende. Sie haben begeistert, auf sehr kreative Weise und interaktiv mit der Lautsprechermoderation Parolen in der Weise skandiert, dass daraus ein wahres Antikriegsfeuerwerk wurde. Wer das Glück hatte, mittendrin zu sein, konnte massenhaft in junge strahlende Gesichter blicken, die nichts, aber auch gar nichts mit den Kriegstreiber:innen im Bundestag gemein hatten. Da waren handgemachte Plakate, Pappteller und Aufkleber mit passenden Losungen zu sehen, wie z. B. »Musterung? Mustert euch doch selber« oder schlicht »Bildung statt Bomben«. Verständlich, dass einige Demonstrant:innen »lieber Pizza-Lieferdienst als Wehrdienst« bevorzugten. Selbst für gestandene Alt-68er waren die Eindrücke an diesem Tag überwältigend. Kleine historische Reminiszenz: Es war genau vor 129 Jahren am 5. Dezember 1896, als in Hamburg der große Hafenarbeiterstreik für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen begann, gipfelnd im Aufruf zum Generalstreik. Ihm schlossen sich damals die Hamburger Gewerkschaften an. Große Teile der Bevölkerung unterstützten die Streikenden durch Spenden und Lebensmittel. Das führte schließlich dazu, dass es zumindest trotz Aussperrungen, Ausrufung des Belagerungszustands (am 12. Januar 1897) bis 1913 Tarifverträge für die Beschäftigten des Hafens gab. Heute ist es wichtig, unsere Schülerinnen und Schüler umfassend zu unterstützen. Das bedeutet, die Kräfte in Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Schüler:innenvertretungen usw. zu bündeln und alles dafür zu tun, um am 5. März 2026 gut vorbereitet den nächsten Schulstreik bundesweit durchzusetzen, damit der Kampf gegen die Wehrpflicht noch mehr Menschen erreicht. Dazu tragen Eltern und Lehrer:innen gerade in diesen Tagen eine hohe Verantwortung, auch dem Rüstungswahn und Kriegsgeschrei wirksam entgegenzutreten.
Manfred Pohlmann, Hamburg
Unattraktive Arbeit
Zu jW vom 11.12.: »Mehr Personal ist gut fürs Klima«
Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin seit 43 Jahren als Berufskraftfahrer im Bereich Bus und Lkw tätig. Momentan arbeite ich bei der DB Regio Ost als Busfahrer. Die im Artikel beschriebene Problematik ist seit Jahrzehnten bekannt. Die Tariferhöhungen bei der BVG sind zwar zu begrüßen, jedoch könnten sich die Erfolge bei den Neueinstellungen als Strohfeuer erweisen, da die Fluktuation hoch bleiben wird. Bei der DB sind wir von solchen Tarifabschlüssen ohnehin weit entfernt, was dazu führt, dass Fahrpersonal, welches von der BVG lieber nicht beschäftigt wird, bei uns landet. Das Fahren von größeren Fahrzeugen ist nicht jedermanns Sache und die Unfallzahlen sprechen für sich. Bei der DB Regio fahren wir hauptsächlich SEV für die DB und die S-Bahn Berlin. Für Kolleginnen ist diese Tätigkeit wenig attraktiv, da sich die sanitären Optionen auf Dixi-Klos beschränken, während die BVG wenigstens ordentliche Klos zur Verfügung stellt. Auch das einzige angebotene Arbeitszeitmodell von 6/2 – also sechs Tage arbeiten, zwei Tage frei – wirkt nicht gerade anziehend auf Menschen, die Interesse an einem harmonischen Familienleben haben. Die Liste der Beispiele, warum diese Arbeit unattraktiv ist, könnte beliebig fortgesetzt werden. Immerhin hält die BRD-Regierung für Leute meiner Altersgruppe Ü 60 ja die Aktivrente bereit. Also KollegInnen: Immer schön gesund bleiben und weitermachen, damit Fahrpersonal Ü 80 zum Standard wird! Alternativ können wir uns ja auch bei der Bundeswehr bewerben.
Stefan Giemann, Berlin
Von Raketen und Drohnen
Zu jW vom 5.12.: »Haben Sie kein Verständnis für proletarische Kultur?«
Liebe Hanna Rhein, seit Monaten reicht es aus, wenn einer einen kennt, der meint, eine Drohne gesehen zu haben, um unser »Verteidigungsbündnis« im Quadrat springen zu lassen. Und nun ganze Schwärme von Russendrohnen, denn dass sie genau das sind, ist ja wohl so klar wie bei den bisher gesichteten (oder erfühlten?). Können Sie sich das zunächst mediale und dann reale Feuerwerk vorstellen, welches notwendig sein wird, um die (Sicherheits-)Lage militärisch in den Griff zu bekommen? Der Spannungsfall wäre das Mindeste. Am besten wäre es, gleich zurückzuschießen. Aber wir sind noch nicht so weit! Ihre Idee ist gut, aber erst ab 2029, sagt Pistorius. Dann gerne! Bis dahin lassen Sie dem Volk seine Kanonenschläge und Raketen, bitte!
Peter Tiedke, Golzow
»Lebende Litfaßsäulen«
Zu jW vom 5.12.: »Irrwege nach Winterberg«
Die Sportverbände mit den wenigsten Mitgliedern benötigen die teuersten Sportstätten. Dazu zählen auf jeden Fall die Bob-, Rodel- und Skeletonsportler sowie die Skispringer. Soviel Werbung kann man dort gar nicht anbringen, wie das kostet. Schon jetzt sind die Sportler lebende Litfaßsäulen. Und es geht um Zehntausendstel Sekunden und halbe Meter sowie willkürliche Bepunktung. Was soll’s? Wenigstens beim Skispringen gibt es noch genug Zuschauer.
Wolfgang Schlenzig, Berlin
Da waren handgemachte Plakate, Pappteller und Aufkleber mit passenden Losungen zu sehen, wie »Musterung? Mustert euch doch selber« oder schlicht »Bildung statt Bomben«. Verständlich, dass einige Demonstrant:innen »lieber Pizza-Lieferdienst als Wehrdienst« bevorzugten.
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